Finnischer Meerbusen 2005

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Tag 6 - 11.08.2005

Nach Betrachtung der Wetterlage war heute der letzte Tag in Tallinn angesagt. Der Wind flaute endlich ab und auch der Regen wurde etwas weniger. Wir begannen langsam und planten - endlich - für morgen die Abreise nach Lohusalu oder Dirhami. Das gab der Crew natürlich neuen Schwung und neue Motivation!

Nach dem Frühstück teilte sich die Crew auf. Verena, Rico und Oliver blieben an Bord, die anderen entschieden sich für einen Abstecher nach Rocca al Mare.

SY Chardonnay

Die Bordwache beschäftigte sich zunächst mit dem Nachbunkern von Wasser und anderen Vorräten. Verena arbeitete danach noch etwas an ihrer Doktorarbeit. Nach einiger Zeit klopfte es dann am Bugkorb und der Hafenmeister bat uns, das Boot zu verlegen, weil ein großes amerikanisches Segelschiff am Zollhafen stand und wartete, sich in den Olympiahafen verlegen zu können.

Niemand an Bord hatte einen Segelschein und unsere Skipperin war mindestens zwei Stunden entfernt. Zunächst versuchten wir, einen deutschen Skipper im Hafen aufzutreiben, dann bat sich ein Holländer (dachten wir jedenfalls) an, uns zu helfen. Wir konnten die Vorleinen mit Hilfe einer Verlängerung über Land verholen und die Belegung der Achterleine anpassen.

Ein Vater mit zwei seiner Kinder hatte interessiert unser Umlegemanöver beobachtet und befragte uns neugierig, wie es denn so wäre mit dem Segeln. Das ältere der zwei Kinder war so mutig und nahm unsere Einladung unser Schiff mal zu begutachten an - große leuchtende Kinderaugen waren der Dank für die Minitour.

Nachdem die 25 Meter lange amerikanische Yacht festgemacht hatte, stellten wir fest, daß der Skipper (und Eigner) unser freundlicher Helfer war. Dieser lud uns nach erfolgtem Manöver zu sich an Bord ein und wir staunten nicht schlecht über die luxuriöse Ausstattung. Der Holländer war eigentlich Däne - vielmehr aber wohl einfach ein Weltbürger - der die Yacht in Florida gekauft hatte. Wir unterhielten uns lange und wurden bestens versorgt - mit Bier, Gin Tonic, kubanischem Rum und den besten Fisch-Snacks.

ob

Rocca la Mare

Wir anderen hingegen machten interessante Erahrungen mit den Tallinner Verkehrsbetrieben - wenn 6 dran steht, ist nicht immer 6 drin... Denn die Linie 6 der Tram brachte uns nach Kopli statt in Richtung Rocca al Mare, aber Vororte haben auch ihren Reiz... Nachdem wir endlich registrierten, daß wir mittlerweile in einem Industriehafen statt einem Naturkundemuseum angekommen waren, entschlossen wir uns spontan die Richtung zu wechseln um unseren Ausgangpunkt - den Busbahnhof - wieder aufzusuchen. Im letztendlich richtigen Bus angekommen, erwiesen sich zwei offensichtlich angeheiterte Einheimische als sehr hilfsbereit und zeigten uns den richtigen Absprung. Das Naturkundemuseum selbst muß man sich als eine Ansammlung von alten Bauenhöfen, Kirchen, Schulen etc. vorstellen, die aus ganz Estland zusammengetragen wurden, um die Lebensweise der vergangenen Jahrhunderte aufzuzeigen. Alle Gebäude waren auf einem großen Areal mit viel Wald verteilt. Eine Erfahrung mußten vor allem die langen Besucher schmerzlich machen: Irgenwie waren die Leute früher alle viel kleiner! Eine Deckenhöhe von ca. 1.7m war damals wohl normal und die Türrahmen gingen einem oft nur bis zur Brust.

Schnell kamen wir zur Einsicht, das wir nun erstmal eine kleine Stärkung im Village Inn brauchten; eine leckere Portion Erbsensuppe mit Siider (Cider) bzw. O-Saft erfüllte diesen Zweck völlig und war richtig lecker. Auch die Atmosphäre und die Ausstattung des Inns waren sehr zeitgemäß und gemütlich. Anschließend haben wir uns noch so manche Farm, die Kapelle, die Schule, die Feuerwehr und die vielen Mühlen angesehen. Zum Abschluss mussten wir natürlich noch mal die zeitgemäße Kleidung im Souveniershop durchprobieren... Doch plötzlich wurde uns klar, dass der Bus in 2 min fährt - schnell rannten wir zur Bushaltestelle. Eine Fahrt durch ein sehr nobles Villenviertel, wo jeder Häuslebesitzer seine ganz individuellen Träume ausgelebt hatte, brachte uns zurück ins Zentrum.

Fazit des Tages, nachdem wir nun mehrere verschiedene Stadtteile Tallinns kennengelernt hatten: die Esten sind ein sehr munteres nettes, hilfsbereites Volk in Aufbruchstimmung und haben schon enorm viel in ihrem Land bewegt - und das ohne Solidaritätszuschlag... In vielem stehen sie Deutschland in nichts nach, kaum vorstellbar, dass hier vor 15 Jahren noch die Sowjetunion den Ton angab.

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Als die Kultouris wieder an Bord zurück kamen, war Verena bereits mit dem Vorbereiten des Essens fertig. Und so konnten wir uns bei Labskaus und Bier im Salon gemütlich zusammensetzen und jede Gruppe erzählte begeistert von ihren Tageserlebnissen.

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Rezept des Tages: Labskaus ala Verena
  • Kartoffelpüree
  • hardgekochte Eier
  • Gewürzgurken
  • eingelegte rote Beete
  • 2 Dosen Fleisch (400g Corned Beef)
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Kräuterwürfel
  • Zwiebeln schälen und würfeln
  • Gewürzgurken in lange Streifen schneiden
  • hardgekochte Eier in Scheiben schneiden
  • Zwiebeln in der Pfanne schmoren und Dosenfleisch hinzufügen
  • Kartoffelpüree nach Herstellerangaben zubereiten
  • Kartoffelpüree und Zwiebel-Fleisch-Mischung in Auflaufform mischen
  • Gurke, Eier und rote Beete nach Geschmack dazugeben

vjd


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Oliver Brandmüller
Last modified: Sat Sep 3 13:59:34 CEST 2005