Kornati Cup 2006

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Tag 6 - 02.05.2006

Piskera - Biograd

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Die Sonne weckte uns früh am Morgen und ließ das Frühstück auf der Restaurantterasse zum Genuss werden. Beim Auslaufen unseres Nachbarschiffes wunderten wir uns schon, warum er so lange nach dem sein Anker aus dem Grund war keine Fahrt aufnahm, sondern sich von dem auflandigen Wind auf uns und ein anderes Schiff drauftreiben ließ und sich natürlich promt in unseren Ankern verfing. Im Startgebiet fanden wir schönen Wind vor und freuten uns schon auf die 3. Wettfahrt, da nur eine sehr kurze Kreuz und ein über mehrere Seemeilen langer Spigang zu erwarten war. Am Start wurden wir leider von einem Schiff am Anluven gehindert, weil es nicht auswich, wodurch unsere Fahrt komplett aus dem Schiff genommen wurde. Sozusagen "manövrierbehindert" wie wir waren, schob sich von achtern aufkommend ein weiteres Schiff an unserer Luvseite in eine Lücke zwischen uns und einem noch luvwärtigeren Schiff. In Lee machten wir eine weitere Segelyacht auf unser Dilemma aufmerksam, die sich aber nicht darum scherte, sondern sogar noch anluvte. Die von achtern aufkommende Yacht manövrierte aber auch nicht wie sie sollte und verfing sich in unserem Heckkorb. Dadurch waren wir zwischen zwei Schiffen eingekeilt und kollidierten mit unseren Konkurrenten in Lee, der daraufhin gegen uns Protest erhob. Wir erhoben folglich Protest gegen das erste Schiff, welches uns behindert hatte und das zweite Schiff, welches mit uns kollidierte und uns auf das andere schob.

Als wir Minuten zu spät endlich wieder Fahrt im Schiff hatten und über die Startlinie gingen, gaben wir trotzdem unser Bestes. Der Spigang brachte uns auch wieder in die Nähe der "Kristina", leider nahmen sie uns bei der Zielkreuz aber doch noch ein paar Sekunden ab, weil wir in der Abdeckung eines anderen Schiffes segeln mußten. Mittags ging es unter Maschine durch eine sehr enge Durchfahrt auf ein Gewässer, wo der Start zur 4. Wettfahrt ausgelegt wurde. Leider verließ uns der Wind schon kurz nach dem Start, so dass die Wettfahrtleitung am Nachmittag ein Einsehen mit uns hatte und das Ende der Wettfahrt über Funk bekannt gab. Unter Maschine ging es daraufhin auf dem kürzesten Weg in Richtung Biograd. Die Crew der "Kristina" kam kurze Zeit später in unsere Nähe und fuhr neben uns her, was wir dazu nutzten eine Aquasling-Schlacht auszutragen. Diejenigen, die bisher noch keine Erfahrung mit einer Aquasling gemacht haben, müssen sich ein überdimensionales Gummiband mit 2 Haltegriffen und einer mittigen Tasche zum Abfeuern von Wasserbomben vorstellen. Die Produktion von Wasserbomben hatten wir zum Glück schon frühzeitig aufgenommen, so dass wir einen ganz guten Vorrat zur Verfügung hatten. Wir holten dazu mit der Pütz Seewasser und pumpten mit 2 mitgelieferten Handpumpen die Luftballons mit Wasser voll.

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In Biograd angekommen schwärmte die Crew mit Aufgaben versehen aus, denn aufgrund unserer angemeldeten Proteste und des gegen uns anhängigen Protestes gab es genung zu tun. Die Protestformulare mussten organisiert, Zeugen aufgetrieben und der Protest formuliert werden. Schließlich gelang es uns doch noch zeitgerecht die auf kroatisch abgefassten Formulare auszufüllen und bei der gut versteckten Jury abzugeben.
Von da an hieß es warten auf die Protestverhandlung. Nach ca. 1,5 Stunden war es dann soweit. Die Proteste wurden zusammen verhandelt. Jede Partei stellte ihre Sicht der Dinge dar und hatte Gelegenheit Fragen zu der Version der Gegenparteien zu stellen. Anschließend wurden noch die Zeugen gehört, bevor sich die Jury zur Beratung zurückgezogen hat.
Schon während der Verhandlung hatte ich das Gefühl, dass sich die beiden Gegenparteien im Vorfeld gut abgestimmt hatten und dies bewahrheitete sich jetzt bei der Entscheidung. Hatten wir gegen das Luvboot protestiert, weil es aus unserer Sicht gegen seine Ausweichpflicht als Luvboot verstoßen hatte, so wurde der Gegner entlastet, weil wir ihm angeblich keinen Raum zum Ausweichen gegeben haben (Regel 16 und 64 1b). Wir alle stellten uns natürlich die Frage, wie wir das hätten tun sollen, nachdem er in ein Lücke gefahren ist, die nur ca. 1m breiter als sein Schiff war. Für eine 42 Fuß-Yacht ist das nicht wirklich viel Platz.
Unser anderer Gegner in Lee, den wir Lautstark darauf aufmerksam gemacht hatten, dass wir unserer Ausweichpflicht nicht nachkommen können, weil das Luvboot uns daran hindert, hatte laut Zeugenaussagen weitergeluvt und uns dadurch gar keine Chance gelassen eine Kollision zu vermeiden. Er wurde auch entlastet, weil wir nach Regel 11 als Luvboot hätten ausweichen müssen. Somit waren wir diejenigen, die disqualifiziert wurden....
Somit geriet diese Verhandlung zu einem Anschauungsobjekt aus dem Kapitel Recht haben und Recht bekommen.

st/mh

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Martin Heine/Segelcrew Kornati Cup