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Tag 13 - 30.08.2006
Neksø - Greifswald
Heute stand uns unser längster Schlag bevor, weswegen wir gut frühstücken wollten. Frische Brötchen sollten unser
Frühstück mal wieder ergänzen, da die hellen Aufbackbrötchen inzwischen ihren Reiz verloren hatten. Wenn man in Dänemark
ist sollte man zudem nicht versäumen Leberpastete und Ymer einzukaufen, so dass wir froh waren, einen Supermarkt zu finden,
der bereits um 07:00 Uhr öffnete.
Beim Frühstück machten wir uns viele „Hasen“-Brote für den Tag. Wie gut, dass die neue Crew deutsches Vollkornbrot mitgebracht
hatte, denn das weiche und gesüßte (Vollkorn?)-Brot der Schweden war kein guter Ersatz!
Ursula zog sich wie immer gleich morgens das Ölzeug und die Gummistiefel an und war damit für den Tag gut gerüstet. Anfänglich
war mal wieder überhaupt kein Wind, so dass wir die ersten 3 Stunden mal wieder motoren mussten. Um 12:00 Uhr bekamen wir dann
ziemlich schnell eine gute Brise, so dass wir zum Großsegel noch die Genua ausrollten. Spontan waren wir einen Knoten schneller,
als unter Maschine.
Pro Stunde nahm der Wind um eine Windstärke zu, bis er bei 6 Bft. angekommen war. Müßig zu erwähnen, dass die Welle natürlich
ebenfalls zunahm und das nicht zu knapp, da wir uns schließlich auf freiem Seeraum befanden.
Unser Glück war, dass wir mit halbem Wind segeln konnten und die Wellen nur vereinzelt über kamen. Dennoch wurde die Sjøli gegen
zunehmend luvgieriger, so dass wir erst ein und dann das zweite Reff einlegten. Gegen 17:30 Uhr reichte auch das nicht mehr aus
und wir beschlossen die Genua wegzunehmen, da Thomas uns gebeten hatte die Genua nicht als Rollreff zu verwenden.
Stattdessen wollten wir die Selbstwendefock setzen. Nach dem Bändigen der Genua hatten die Vorschiffsherren allerdings zu Recht
die Nase voll vom „Fahrstuhlfahren“ und da wir nur mit dem zweifach gerefften Groß immer noch an die 6 Knoten Fahrt machten,
verzichteten wir auf das Setzen der Fock.
Deutschland empfing uns vor Rügen mit einem kräftigen Regenschauer. Wir wollten ohnehin nicht zurück und dann auch noch so etwas.
Allerdings war die Welle in der Abdeckung der Insel etwas weniger heftig, so dass alle die Chance nutzen ihre Blasen zu entleeren,
was sich ohne Bocksprünge des Schiffes deutlich einfacher gestaltet und auch für die Mägen besser ist.
Gut gerüstet ging es also in den Tonnenstrich, der bei „Landtief A“ beginnt und uns durch den Greifswalder Bodden führen sollte.
Inzwischen hatten wir auf der Karte nochmals die Stecke nach Lauterbach mit der Strecke nach Greifswald verglichen und festgestellt,
dass es deutlich günstiger sein würde Greifswald direkt anzulaufen. Nach Lauterbach hätten wir die letzten Meilen noch gegenan gemusst,
was die in etwa gleich lange Strecke deutlich verlängert hätte. Außerdem ist ein kreuzen im Tonnenstrich auch etwas, worauf man im Dunklen
gern verzichtet.
Der Tonnenstrich im Greifswalder Bodden forderte uns zu so später Stunde sehr, da jede zweite befeuerte Tonnen dieselbe Kennung hat.
In der Dunkelheit war es so wirklich sehr schwer abzuschätzen, welche Tonne die nächste sein müsste. Nicht genug, zwischen den befeuerten
Tonnenpaaren gab es auch immer noch unbefeuerte Tonnen, die wir manchmal erst entdeckten, als wir schon daran vorbei waren und somit lebten
wir ständig in der Angst Thomas Schiff einen unschönen roten oder grünen Streifen zu verpassen, von der Gefahr des Auflaufens neben dem
Tonnenstrich mal ganz schweigen.
Als wir später auf Westkurs gingen, war die Abdeckung durch die Insel Rügen wieder vorbei und der Bodden zeigte sich absolut zickig, obwohl
die Wellen hier natürlich nicht mehr ganz so hoch waren, wie auf der freien See. Durch unseren geänderten Kurs, wurde die Sjøli leider
langsamer, aber nach so vielen Stunden auf See hatten wir nicht noch die Energie etwas daran zu ändern.
Bevor wir in Richtung Greifswald auf die Sektorenfeuer zufahren mussten, nahmen wir das Großsegel weg und fuhren die letzen paar Meilen unter
Maschine. Das war auch gut so, denn auch hier gab es unbefeuerte Tonnen, die wir mit dem Handscheinwerfer versuchten zu finden. Der
Rudergänger muss wohl langsam an den Rand des weißen Sektors gelangt sein und konnte mangels Erfahrung vielleicht auch nicht abschätzen,
dass der Sektor schon grüne Tendenzen hatte, als wir auf einmal eine grüne Tonne an unserer Backbordseite im Leuchtkegel erfassten. Also hieß
es Maschine langsam rückwärts und vorsichtig wieder versuchen in den Tonnenstrich zu gelangen. Das gelang zum Glück problemlos!
Die Hafenmole in Greifswald- Wieck fanden wir auch nur durch Anleuchten und machten uns auf die Suche nach einem Liegeplatz. Pünktlich
dazu fing es wie aus Kübeln an zu regen. Liegeplätze waren auch nicht zu finden, so dass wir uns einfach auf einen Platz legten, der
rot zeigte. Den ganzen Tag hatten wir uns auf eine heiße Mahlzeit mit Spaghetti und Pesto gefreut und wollten um 00:30 Uhr auch noch
anfangen zu kochen, als unser Vorhaben durch eine leere Gasflasche vereitelt wurde. Also disponierten wir um und es gab Brot und
Aufschnitt. Mit dem Versprechen am nächsten Tag ausschlafen zu können und ausgiebig zu frühstücken, legten wir uns gegen 01:00 Uhr
schlafen und hofften, dass der Liegeplatzeigner nicht morgens seinen Platz einfordern würde.
st
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Tagesdistanz unter Segel: 51,2 sm
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Tagesdistanz unter Maschine: 9,5 sm
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Gesamtdistanz unter Segel: 142,7 sm
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Gesamtdistanz unter Maschine: 208,1 sm
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