Griechenland 2004

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Tag 7 - 29.10.2004

Peranis - Piraeus

Segel Setzen

Entgegen der Befürchtungen einiger Crewmitglieder wurde die Nacht ruhig und entspannt. Hatten wir gestern Abend noch darüber nachgedacht, einen Heckanker auszubringen, weil die Windrichtung 90 Grad zur Wellenrichtung war, hatten die Wellen im Laufe der Nacht nachgelassenen und der Kat lag ruhig in der Bucht. Als ich aufstand, ging die Sonne mit einem Dunstschleier auf und das Wasser lag ruhig wie ein Spiegel. Der Fischer, der mich bei meinem morgendlichen Bad beobachtete, winkte mir noch freundlich zu, bevor er zu seinem nächsten Netz paddelte. Gerade, als ich mich auf der Badeplattform abduschte verriet mir ein charakteristisches, schlürfendes Geräusch, dass ich keine Minute länger hätte im Wasser bleiben dürfen.

Bei unserem Frühstück bog sich der Cockpittisch unter der Last der aufgefahrenen Köstlichkeiten. Also anhand unserer Vorräte konnte man sicher nicht auf die Idee kommen, dass heute unser letzter Tag anbrach. Nach einem letzten Bad in der Bucht lichteten wir den Anker und machten uns auf den Weg in Richtung Marina. Ein größeres geschlossenes Windfeld veranlasste uns dazu die Segel zu setzen. Wir hangelten uns zwischen den Ankerliegern auf der Reede von Piräus durch. Nach einer Stunde gaben wir es auf, unserem Ziel unter Segeln näher zu kommen. Wir rollten die Genua ein und starteten die Motoren.

Frachter Lucky Moon

Immer wieder unternahmen wir den Versuch, Dieter ein letztes Bad in der Ägäis zu ermöglichen. Doch so oft wir ansetzten, so oft ließen wir es auch, weil wir schon den nächsten Müllteppich sichteten. Bisher war es für uns immer schwer vorstellbar, aber es passierte, dass wir von einem Augenblick zum anderen durch ein 200m breites Müllfeld fuhren, bei dem es uns schwer fiel noch Wasser zu erkennen. Letzendlich gelang es uns doch noch, ein Flecken müllfreien Wassers zu finden und Dieter konnte noch sein Bad nehmen. Im Hafen sahen wir uns schon der schier unlösbaren Aufgabe gegenüber gestellt, an den mit Charteryachten vollgestopften Stegen einen vernünftigen Platz für unseren Kat zu finden, als wir von einem Angestellten des Vercharterers auf einen freien Platz aufmerksam gemacht wurden. Wir alle hatten so unsere Zweifel, ob dieser breit genug für unseren Kat ist, aber wir vertrauten voll auf dass Augenmaß desjenigen, der uns den Platz zugewiesen hatte. Mit ein wenig mehr Maschinenleistung zogen wir uns zwischen die anderen Boote. Die Zeit bis zum Auschecken überbrückten wir mit dem Zusammenräumen der allgemeinen und persönlichen Ausrüstung und einem Essen, bei dem gnadenlos nahezu alle Reste verhaftet wurden.

Die Rücknahme verlief völlig unkompliziert und ohne nennenswerte Zwischenfälle, so dass sich ein Teil der Crew noch vor dem Einbruch der Dunkelheit zu einer zweiten Stadterkundung nach Athen auf den Weg machen konnte. Olli und ich zogen es vor, uns noch ein wenig im Hafen umzusehen und gerieten dabei wie von Geisterhand geführt in die Nähe einer Lagoon 47. War "unser" Kat in unseren Augen schon ein ziemlich großes Geschoss, so legte dieser noch eine Dimension oben drauf. Bei einer Innenbesichtigung konnten wir uns davon überzeugen, dass dies nicht nur außen der Fall war. Im Inneren erwartete uns ein Salon mit Dolby Surround Stereoanlage, Heimkino, Plasmabildschirm, getrenntem Kühl- und Gefrierschrank, sowie mit sepeaat steuerbaren Klimaanlagen in jeder Gästekammer.... Von demjenigen, den wir angesprochen hatten, um in diese heiligen Hallen vordringen zu können erfuhren wir, dass er der Eigner des Schiffes sei und er den Kat nur mit Skipper und Hostess verchartert. Der Charterpreis, den er uns nannte war für den gebotenen Komfort sicher angemessen, lag aber weit über dem, was wir gewillt wären, für einen solchen Urlaub auszugeben.

Bei einem weiteren Spaziergang über einen der Nachbarstege rätselten wir darüber, ob es sich lohnen würde in die Branche der Motoryachtbeschaffer zu wechseln. Allein der Schwarzmarktwert der Schiffe, die an diesem ca. 100m langen Steg lagen reicht sicher locker aus, um uns beiden ein arbeitsfreies Restleben zu ermöglichen. Bei dem Anblick der freundlichen Herren der Coast Guard, die auf diesem Steg patroullierten verwarfen wir diesen Gedanken sehr schnell wieder und entschieden uns dafür, morgen doch wieder in den Flieger nach Berlin zu steigen.

mh


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Oliver Brandmueller
Last modified: Wed Nov 17 16:35:00 CET 2004