SV03 BR-Törn 1999

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Tag 2 - 23.05.1999

Marstal - Faaborg

Als ich morgens um 08:00 Uhr einen ersten Blick aus der Koje riskierte, war Thomas mit einer Tasse Tee und Karteikarten bewaffnet am Theorie lernen für den Sportbootführerschein See.
Wider Erwarten konnte ich sofort eine freie Dusche ergattern, und so den Tag ohne Verzögerung beginnen. Der Zweite Weg führte zum Bäcker, während der Rest der Crew den Frühstückstisch deckte bzw. die Sanitärenanlagen testete.
Sonnenuntergang Das singen der Wanten und das Schlagen der Fallen verhieß sehr kräftigen Segelwind für den Tag. Zur Sicherheit wurde die Genua 1 gegen die Genua 3 getauscht und auch das Reff 2 vom Vortag blieb eingebunden. Kaum das unsere Nachbarn festgestellt hatten, dass wir Vorbereitungen zum Ablegen treffen, rückten sie ihre Fernsehsessel wieder in Position, es fehlten eigentlich nur das Bier und die Chips. Ebenso sauber wie wir angelegt hatten, legten wir auch wieder ab und strebten der Hafenausfahrt zu. Kurz vor der Hafenausfahrt hatte ein Segler mit einem Internationalen Folkeboat Land gekauft. Eine Böe krängte sie soweit, dass sie wieder loskamen und die von ihnen bereitgelegte Schleppleine nicht mehr zum Einsatz kam.

Noch im Vorbecken setzten wir das Großsegel. Das Signal der Fähre mahnte uns zur Eile, denn die Bavaria 41 und die Fähre passen sicher nicht gleichzeitig durch die Hafeneinfahrt. Dank des Volvo Penta bekam die "Baltic-Princess" kurzzeitig Flügel und die Situation war geklärt. Mit Genua und Groß segelten wir bei mäßiger Sicht durch den Tonnenstrich Richtung Faaborg. Faaborg hatten wir als Alternativhafen zu Aeroskobing eingeplant, falls es in der Bucht nicht möglich sein sollte das Boje-über-Bord-Manöver zu üben. Schon bald nach Verlassen des Tonnenstriches war klar, dass der Wind uns einen Strich durch unsere Rechnung gemacht hat. So wurde ein Kurs auf die Passage südlich von Avernako abgesetzt.
Hinter der Durchfahrt, in der Abdeckung von Avernako, war es etwas ruhiger und wir konnten doch noch die angestrebte Manöverstunde einlegen. Unzählige Male wurde die Boje in die Ostsee befördert und ebenso oft wieder herausgeholt. Bei dieser Gelegenheit erzielte Thomas die höchste Erfolgsquote, wenn es darum ging die Boje zu angeln. Sein Assistent konnte da bei Weitem nicht mithalten, seine Stärken liegen wohl doch eher auf dem Gebiet des Zwiebel- und Knoblauchschneidens.

Nach unserer Übungsstunde legten wir den Kurs zur Hafeneinfahrt von Faaborg an. Das Segelbergen stellte uns vor neue Probleme; konnten wir das Groß ohne Verzögerung bergen, quittierte die Rollanlage der Genua ihren Dienst, als die Genua zur Hälfte eingerollt war. Mit etwas Knoff-Hoff und Krafteinsatz schafften wir auch noch die letzten Umdrehungen. Wie wir nicht anders erwartet hatten, hatte man nicht gerade einen Platz für uns reserviert. So fuhren wir eine Runde durch das Hafenbecken und entdeckten in der hintersten Ecke einen Liegeplatz, der uns für eine Bavaria 41 geeignet erschien. Alle Leinen und Fender waren klariert und Micha setzte souverän zum Einparken in die Box an. Kurz vor der Box wurde der Bug von einer Böe vertrieben, so dass ein zweiter Anlauf nötig war. Doch kein Problem mit dem Rückwärtsgang wurde die "Baltic-Princess" wieder in die Ausgangsposition befördert.
Sonnenuntergang Mit einem kurzen Vorwärtsschub sollte der Bug in die passende Position gedreht werden. Doch nichts geschah als der Vorwärtsgang eingelegt wurde. Auch ein erneuter Versuch brachte nicht den erhofften Erfolg. Unsere Bewegung achteraus wurde abrupt durch einen Dalben gestoppt. Die Berührung wurde durch einen Fender etwas gemindert, aber wir waren somit schon wieder der Hingucker im Hafen. Eine manövrierbehinderte 41 Fuß-Yacht in einem Hafenbecken von 25 m Breite ist immer noch ein interessanteres Programm, als die 20:15 Uhr Soap-Opera. Bei einem erneuten Versuch rastete der Vorwärtsgang ein und ein neuer Anlauf konnte erfolgen. Der Versuch das Schiff im Hafenbecken zu drehen endete wieder an den Dalben, weil der Vorwärtsgang erneut nicht einrastete und es nicht möglich war ihn direkt am Saildrive einzulegen. Mittlerweile waren wir der Meinung, dass wir inzwischen genug für die Unterhaltung der Hafenlieger getan hätten, also erfolgte der dritte Anlauf im Rückwärtsgang. 10 Minuten später lagen wir wohl vertäut am Steg und packten wieder einmal den Werkzeugkoffer aus. Bei einer näheren Inspektion stellte sich heraus, dass die Einhebelschaltung nicht mehr zuverlässig einrastete. Herr Burek, den wir daraufhin anriefen, meinte nur "Lassen Sie sie austauschen!".
Doch selbst in Dänemark ist es mehr als unwahrscheinlich jemanden zu finden, der einem am Pfingstmontag die Einhebelschaltung tauscht.
Bei einer näheren Inspektion des Hafens und der Umgebung konnten Micha und ich einen Marineausrüster ausfindig machen, der am Pfingstmontag geöffnet hatte und in dessen Eingang ein Schild "Volvo Penta Service" prangte. Besser konnte es eigentlich nicht laufen, so dachten wir jedenfalls.

Zurück von unserem Rundgang stellten wir fest, dass unser "Küchenteam" schon wieder ganze Arbeit geleistet und bereits eine wohlschmeckende Mahlzeit zubereitet hatte, dem Meister und seinem Assistenten sei Dank.
Sonnenuntergang Die Kontrolle des Ruders verlief ohne neue Horrormeldungen, was uns zu einem ruhigen Schlaf verhalf, waren wir doch guter Dinge Kerstin am nächsten Tag pünktlich um 17:00 Uhr in Svendborg abholen zu können.

mh

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Martin Heine/Segelcrew Ostsee