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Tag 3 - 24.05.1999
Faaborg - Lohals
Gut gelaunt suchten Micha und ich um 10:00 Uhr den Marineausrüster auf. Sehr zu unserer Enttäuschung
mussten wir erfahren, dass er wohl das Ersatzteil hätte, aber keinen Mechaniker, der uns das einbauen könnte.
Auf dem Schiff wurde kurz beratschlagt und motiviert durch die Bemerkung des Shopbesitzers "..es ist ganz
einfach einzubauen, wenn man etwas von Mechanik versteht." entschlossen wir uns dazu die Einhebelschaltung
selber zu wechseln.
Schon bei der Demontage des alten Schalthebels ließen sich erhebliche Lücken im Bordwerkzeug nicht leugnen.
So glänzte der Inbusschlüssel, der nötig war, um den Schaltgriff zu demontieren durch Abwesenheit.
Unsere Einkaufsliste verlängerte sich um eine Position.
Hätte der Shoppbesitzer geahnt, wie oft wir an diesem Tag noch bei ihm im Laden aufkreuzen, hätte er uns den
Schalthebel wohl nicht verkauft. So zogen wir mit unserer Beute und um 1300 dkr ärmer in Richtung Steg.
Auf dem Schiff hakten wir die Bowdenzüge der alten Schaltung aus, demontierten den Schalthebel und studierten
die Einbauanleitung des Ersatzteils. Laut dieser war die Installation gar kein Problem. Erfolgreich und ohne
Verluste konnten wir die Steuerköpfe der Bowdenzüge demontieren. Den ersten Rückschlag erlitten wir bei der
Montage der neuen Einhebelschaltung, entweder sind die Hersteller solcher Teile weit davon entfernt, Elemente
mit standardisierten Bohrlochabständen zu produzieren, oder aber Bavaria hat einen eigenen Kurs eingeschlagen.
Auf jeden Fall konnten wir nur eines der vorhandenen Löcher verwenden. Hilfe suchten wir bei dem Shopbesitzer,
Thomas sprintete dorthin, um ihm eine Bohrmaschine aus den Rippen zu leiern. Wie er uns bei seiner Rückkehr
berichtete war der Laden bei seiner Ankunft bereits geschlossen (ob der Besitzer schon etwas geahnt hatte?),
dennoch war es ihm gelungen eine Bohrmaschine aufzutreiben. Wir "mussten" dem Eigentümer bei der Rückgabe
zwar eine Schachtel Kekse übereignen, aber immerhin waren wir unserem Ziel ein Stück näher. Die Montage des
Schalthebels selber verlief ohne weitere Komplikationen. Die nächste Hürde baute sich in Form einer etwas
anderen Bowdenzugführung auf. Aber sie war nicht unüberwindlich und wir waren schon geneigt, an einen schönen
Traum zu glauben, als wir feststellten, daß die Verbindung Bowdenzug Schaltgestänge anscheinend genormt ist,
in diesem Bereich also keine weiteren Umbauten von Nöten waren.
Doch wie sollten wir die Kontermuttern und die Befestigungstücke auf das Gewinde bekommen?
Bei diesem Modell musste erst die Montage an der Steuersäule erfolgen, bevor die Bowdenzüge eingehängt werden
konnten. Der eingeschränkte Arbeitsraum tat ein übriges. Bei dem ersten Bowdenzug verlief alles reibungslos,
doch beim Aufsetzen der zweiten Kontermutter entwickelte diese eine gewisse Eigendynamik und verabschiedete
sich trotz Handtuch und zweitem Händepaar in die Tiefen der Führung der Steuerseile. Alle Versuche sie dort
(mit Hilfe eines Kleiderbügels oder eines magnetisierten Schraubendrehers) wieder hervorzulocken scheiterten.
Auch eine Expedition, welche sich durch das Inspektionsluk für die Ruderanlage zu der Abtrünigen vorarbeitete,
musste unverrichteter Dinge den Rückzug antreten.
Um so größer war unsere Freude, als wir in der Fundgrube des Schiffes noch eine Mutter entdeckten, welche
sich zu diesem Zweck verwenden ließ. Die Endmontage war dann nur noch reine Formsache. Ein erleichterter
Gesichtausdruck war durchaus bei allen 7 Crewmitgliedern zu erkennen, als nach kurzer Feinjustage die Gänge
unhörbar und zuverlässig einrasteten.
Die Reparatur hatte uns mehr Zeit gekostet als eingeplant, so dass wir eine gewisse Eile bei den
Vorbereitungen zum Auslaufen an den Tag legten. Sollte Kerstin, unsere noch fehlende Mitseglerin, doch
gegen 17:00 Uhr mit dem Zug in Svendborg ankommen. Uns war von vornherein klar, dass wir gegen eine
Lebensweisheit verstoßen mussten und Kerstin in Svendborg auf uns warten musste. Zwei Stunden für 13 sm
wäre schon eine sehr gut Zeit, die wir wohl nicht erreichen würden.
Es war ein wunderbares Gefühl, sich darauf verlassen zu können, dass der Gang auch wirklich zur Verfügung
stand wenn man ihn brauchte. In der Gewissheit unser Reparaturpensum für diesen Tag erfüllt zu haben,
setzten wir die Segel. Doch beim Ausrollen der Genua wurden wir vor das nächste Problem gestellt. Hatten
wir es am Vortag noch geschafft sie einzurollen, so war sie jetzt durch nichts dazu zu bewegen sich, wieder
ausrollen zu lassen. Es blieb nur der Weg nach oben, um nach dem Rechten oder besser dem Fehler zu sehen.
Mittels des Spifalls ließ ich mich aufwinschen. Oben angekommen konnte ich die herrliche Aussicht über die
Inseln der Dänischen Südsee gar nicht richtig genießen, denn das Fockfall hatte sich um den Rollbeschlag
gewickelt und musste enttörnt werden. Kaum war dies geschehen, ließ sich die Genua ausrollen, als wäre nie
etwas gewesen. Bei besten Bedingungen segelten wir in den Svendborg Sund. Kurz vor dem Hafen wurden die
Segel geborgen und unter Maschine ging es in den Hafen, in dem wir auch die Hafenmanöver unter Maschine
üben wollten. Wir wollten unseren Augen nicht trauen, als wir feststellen mussten, dass der Schwimmsteg
dieses Jahr nicht ausgelegt worden war und somit nur noch sehr wenige Plätze für Yachten zur Verfügung standen.
An der Kaimauer war noch ein Liegplatz frei, es hatte fast den Anschein, als hätte Kerstin die dort auf uns
wartete, den Platz mit allen Mitteln gegen andere Yachten verteidigt. Parallel zur Kaimauer verläuft die
Hauptstraße von Svendborg, was der Attraktivität diese Hafens nicht sehr zuträglich ist. Somit fiel uns die
Entscheidung weiterzusegeln nicht schwer.
Nach einer Stärkung mit frischem Dänischen Kuchen lichteten wir
die Leinen, um mit gutem Wind dem Ausgang des Svendborg Sunds entgegen zu segeln. Ab dort richteten wir
unseren Kurs gen Norden und erreichten mit dem letzten Licht, aber schon unter zu Hilfenahme des
Sektorenfeuers den Hafen von Lohals. Unterwegs gab es endlich die langersehnten Pellkartoffeln mit Quark.
Hatten wir doch Kerstin versprechen müssen diese erst zu essen, wenn sie an Bord ist.
Mit ein paar kleinen Tricks gelang es uns die Genua einzurollen, bevor Kerstin die Hafeneinfahrt ansteuerte.
Der Yachthafen ist im Hafenhandbuch mit einer Tiefe von 2 m angegeben, was uns dazu veranlasste, in den
Fischereihafen einzulaufen.
Etwas unwohl war Kerstin schon, bei dem Gedanken daran, dass sie gerade dabei war ein 41 Fuß Schiff in den
doch recht engen Hafen zu steuern. Als alle Leinen belegt waren machte sich die Entspannung in ihren
Gesichtzügen deutlich bemerkbar und für kurze Zeit zeigte sich ein zufriedenes Lächeln in ihrem Gesicht.
Pünktlich nach dem Anlegen öffnete der Himmel seine Schleusen und wir flüchteten in den trockenen Salon.
Viel geredet wurde an diesem Abend nicht mehr, war ein jeder noch damit beschäftigt, seine Eindrücke dieser
für einige ersten "Beleuchtungsfahrt" zu verarbeiten.
mh
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