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Tag 7 - 28.05.1999
Wendtorf - Wendtorf (Prüfungstag)
Ein ausgiebiges Frühstück läutete den Prüfungstag ein. Wir hatten uns darauf geeinigt, vor der Prüfung noch
ein paar Schläge auf der Förde zu segeln, damit die Crew sich auf die Bedingungen einstellen konnte.
Um 13:15 Uhr legten wir an dem Treidelsteg in Schilksee an. Am Morgen hatten wir zur Sicherheit einige
Brötchen mehr gekauft und bereiteten einen kleinen Imbiss vor. Aus meiner eignen BR-Prüfung wußte ich, daß die
Prüfer von Zeit zu Zeit während der Prüfung gerne eine Kleinigkeit essen.
Der Prüfungstermin war für 14:00 Uhr angesetzt, so dass ich zu gegebener Zeit im Büro des Prüfungsausschusses
Kiel stand. Kurze Zeit später betrat "unser" Prüfer das Büro, als er hörte, daß wir am Treidelsteg liegen,
meinte er nur das wäre ihm zu weit zum Laufen und wir sollten das Schiff zum Kran im Südhafen verholen, er
käme dann dort hin. Außerdem solle sich Thomas darauf einrichten abzulegen, da er der Einzige ohne SBF-See war.
Leider war in dem angegebenen Bereich keine Möglichkeit zum Längsseitgehen, so dass wir uns in die freie Box
legten, in der am Vortag noch die "Joy" lag, ein Schiff das unser aller Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.
Es handelte sich um eine Comfortina von etwas mehr als 50 Fuß, deren dunkelblauer Rumpf jeden Blick nahezu
magisch anzog.
Mitten in unsere Beratung, wie Thomas die "Baltic Princess" am Besten aus der Box herausmanövriert, schallte
die Stimme des Prüfers, der uns mitteilte, dass er nur schnell eine andere Prüfung abnehmen würde, bevor er zu
uns an Bord käme.
Für die zu Prüfenden war dies nicht unbedingt eine erfreuliche Nachricht, machte sich doch so langsam etwas
wie Nervosität breit. Mit gut gekühlten Getränken versorgt ließ sich die Wartezeit gut überbrücken, bestand
doch die Möglichkeit, aus der Ferne zu begutachten was von dem Prüfer erwartet wird. Alle hatten sich schon
auf eine längere Wartezeit eingerichtet, als Kerstin meinte "...sieht der Rudergänger nicht, dass die Box
bereits belegt ist?"
Der Prüfer hatte sich dafür entschieden, keinen Umweg über den Steg zu nehmen, um an Bord zu kommen.
Er wählte den Weg über unseren Heckeinstieg, an dem er sich von der anderen Besatzung absetzen ließ.
Schon bei der Einführung zeigte sich, dass wir mit dem Prüfer Glück hatten, durch die Ruhe, die er
ausstrahlte nahm er den Leuten die Nervosität. Nachdem er die Prüfungsunterlagen geordnet hatte, erklärte er
allen, was er erwartete und ließ Thomas ablegen. Ein Boje über Bord unter Maschine war die Kür, die Thomas
wegen des fehlenden SBF-See zu absolvieren hatte. Nahtlos reihte sich das Segelsetzen ein und nach Wende und
Halse war für Thomas die Prüfung erledigt und er konnte sich entspannt zurücklehnen. Wolfgang, der Nächste in
der Reihe, musste einen Kurs anlegen, bevor auch er Wende und Halse vorfuhr. Auf die Frage des Prüfers, ob er
noch ein Boje-über-Bord fahren wolle, antwortete er mit ja, was uns das erste BüB unter Segel dieser Prüfung
einbrachte. Auch er konnte sich nach dem gelungenen Manöver zurücklehnen. Micha wurde im Anschluss mit der
Aufgabe konfrontiert einen Kreis zu fahren, der Prüfer war der Meinung, die Prüfung etwas beschleunigen zu
müssen, weil sich abzeichnete, dass der Wind einschläft und man den letzten Hauch ausnutzen sollte, um alle
ans Steuer zu lassen.
Auch Micha "durfte" noch ein BüB fahren, bevor Kerstin das Steuer übernahm. Sie wurde
von dem Prüfer mit den Kursen zum Wind "traktiert". "Frau Budig legen Sie doch bitte 260 Grad an. Welchen Kurs
zum Wind fahren wir denn gerade?" Erscholl es aus der "Lümmelecke" im Heckkorb. Kerstin war im ersten Moment
etwas sprachlos und wurde durch die nachfolgenden Fragen des Prüfers etwas verunsichert. Ihre Manöver fuhr
sie ohne Fehl und Tadel und so präzise, dass es an dem Prüfer war sprachlos zu sein.
Andreas, der nun die Führungsgewalt übernahm fuhr seinen Kreis so souverän, dass der Prüfer ihn mit der
Bemerkung "Ich sehe, Sie beherrschen das Schiff." entließ.
Luise als letzte im Bunde kam die Ehre zu das letzte BüB an diesem Tag zu fahren. Der fast schon
obligatorische Kreis war auch bei ihr Bestandteil der Prüfung. Das Anlegemanöver absolvierte sie mit Bravour.
Böse Zungen behaupten, sie sei unter Maschine noch nie so langsam gefahren, wie bei dieser Gelegenheit.
Nach dem Anlegen hieß es warten, der Prüfer hatte uns mitgeteilt, dass zum Ausstellen der Führerschein ca.
15 Minuten braucht und nach Ablauf dieser Frist könnten sie im Büro des DSV abgeholt werden. Zur
Überbrückung der Wartezeit machten wir uns über den vorbereiteten Imbiss her, den er verschmäht hatte.
Die 15 Minuten vergingen wie im Flug und die Gruppe „Heine“ setzte sich in Bewegung, um die Führerscheine
in Empfang zu nehmen. Manfred und ich blieben an Bord, machten etwas klar Schiff und warteten auf die
Rückkehr der restlichen Crew. Den BR-Schein freudig schwenkend kehrten sie zu unserem Liegeplatz zurück,
das "schießen" der Erinnerungsphotos war unsere letzte Aktion in Schilksee, bevor wir unter Genua 3 nach
Wendtorf zurück segelten. Dort angekommen, lieferten wir noch eine kurze Vorstellung für alle Anwesende,
als wir in der Box rückwärts anlegten. Der wenig ausgeprägte Radeffekt und der Seitenwind sorgten dafür,
dass es in der Boxengasse nahezu unmöglich war die „Baltic-Princess“ soweit zu drehen, dass man in die Box
fahren konnte.
Mit etwas Anlauf gelang es uns dann doch und zum letzten Mal wurde für diesen Törn der Eintrag „..M aus Leinen
fest in der Marina Wendtorf“ vorgenommen.

Für das Vollbild der Prüfungsfahrt bitte die Vorschau anklicken.
mh
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