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Tag 3 - 27.08.2001
Nach einer entspannten Nacht mit dem Ohr am Puls der Zeit (der lokalen Autobahn) kam gegen 07:30 Uhr langsam Leben ins Schiff. Nach und nach verschwand die Crew in Richtung Sanitäranlagen, um nach mehr oder minder kurzer Zeit mit einem deutlich wacheren Gesichtsausdruck zum Schiff zurückzukehren. Der reichlich gedeckte Frühstückstisch wurde von einigen mit der Aussicht auf eine unruhige Überfahrt nur wenig geplündert. Die Wettervorhersage des gestrigen Abends und auch des heutigen Morgens sprach von Windstärken um die 8 - 9 Beaufort für unser Fahrtgebiet. Unsere Planungen gingen dahin, auf jeden Fall mal die Nase aus dem "gemütlichen" Hafen zu stecken, um zu sehen, ob diese Vorhersagen auch wirklich stimmten. Im ungüstigsten Fall würden wir wieder in den kleinen Belt zurücklaufen und einen anderen Hafen ausprobieren.
Vor dem Ablegen mußte Martin doch noch die Temperatur des Hafenwassers austesten. Waren ihm doch beim Handtücher einsammeln ein paar Badelatschen ins Wasser gefallen, die nun sanft schaukelnd in Richtung Hafenausfahrt trieben. In Ermangelung eines Teleskopbootshakens mit der nötigen Länge blieb nur der Sprung ins "kühle" Naß, um die Über-Bord-Gegangenen wieder zu bergen. Das Ablegemanöver verlief ohne nennenswerte Verluste. Kurz hinter der Hafenausfahrt erstarrten wir für einen kurzen Augenblick in Erfurcht, als eine 43-Fuß-Yacht nur unter Genoa an uns vorbeisurfte. In einigen Augen konnte man die Frage lesen: "Worauf haben wir uns da nur eingelassen?!" Unter dem zu 50 Prozent ausgerollten Groß und der ebenso zu 50 Prozent ausgerollten Genoa segelten wir zuerst mit halbem Wind dem Leuchtfeuer an der Einfahrt zum kleinen Belt entgegen. Doch schon bald nachdem wir das Leuchtfeuer passiert hatten und etwas anluven mußten war uns klar, daß wir deutlich zu viel Segelfläche gesetzt hatten. Mit einem auf 10 Prozent gerefften Groß und einer auf 30 Prozent verkleinerten Genoa ließ sich die Bavaria einigermaßen segeln. Während Micha und Martin sich unter Deck um die Navigation kümmerten und dabei immer mal wieder in den Genuß der durch den Fäkalientank hervorgerufen Duftwolke kamen, weihten Robert, Manfred und Wolfgang Sonja in die Geheimnisse des Schwer Wetter Segelns ein. Olli genoß den zeitweiligen Sonnenschein und Jule versuchte vergeblich mit der Park'schen Methode ihre Seekrankheit zu bekämpfen.
Der kürzeste Weg in Richtung Norden führte uns über die Untiefe Svanegrund, deren mittlere Wassertiefe in der Karte mit 3,1 m angegeben war. Micha und Martin entschlossen sich, den anderen nur mitzuteilen, daß man bei einer Wellenhöhe von ca. einem Meter hier etwas auf die Tiefe achten müsse. Martin übernahm das Steuer und wir passierten diesen Abschnitt nur unter Groß und mit Maschinenunterstüzung, ohne daß die Wassertiefe je unter 3 Meter fiel. Nach dieser Passage hatten wir unser heutiges Etappenziel Tunö schon vor Augen. Wir wollten schon an einen gemütlichen Abend im Hafen glauben, als Micha vermeldete, ihm würde die Scheiße langsam bis zu den Füßen stehen. Tatsächlich schwappte das Wasser bei Lage langsam über die Bodenbretter. In Anbetracht der Tatsache, daß uns der Vercharterer bei der Übernahme noch erzählt hatte, daß bei der Vorgängercrew der Fäkalientank undicht gewesen wäre, wollten wir gar nicht nachdenken, was denn dort unter den Bodenbrettern hin- und herschwappte. Eine kurze Inspektion der Abteilung, in der der besagte Tank eingebaut ist setzte Düfte frei, die Micha und Martin die Tränen in die Augen trieben und uns unverzüglich an die frische Luft. Somit mußten wir Robert, der sich bereits über die Reihenfolge der Gänge unseres Abendmenüs Gedanken machte, bremsen. Nach unserem Landfall stand für uns fest, daß wir zuerst alle Bodenbretter entfernen, um der Ursache des Übels auf den Grund zu gehen.
Nach dem Anlegemanöver gönnten wir uns eine kurze Erholungspause, in der wir den Hafen genossen, der nicht nur im Vergleich zu Fredericia ein wahres Paradies ist. Mit Pütz, WC, Essigreiniger, Schwamm und Schrubber bewaffnet und mit Gummistiefel und Ölhose bekleidet begaben sich Jule, Robert, Micha und Martin ins Schiffsinnere. Im Zuge unserer Rückbaumaßnahmen deckten wir noch den einen oder anderen werftseitigen Mangel dieses Schiffes auf. Abgesehen davon, daß zu diesem Zeitpunkt keine unserer Bilgepumpen funktionierte, stellten wir uns die Frage, wie man nur eine Bilgensektion unterhalb des Fäkaltanks bauen konnte, die augenscheinlich nur durch spanabhebende Verformung zugänglich ist. Wie nicht anders zu erwarten, hatte sich dort ein Teil des Malheurs unserer Vorgänger gesammelt und war nicht entsorgt worden. Wie auch!
Bevor wir uns jedoch an die große Schwemm- und Putzaktion machen konnten, mußte das Problem der Entsorgung geklärt werden. Die Fäkalienpumpe ließ sich sehr schnell gangbar machen. Doch mit Rücksicht auf unsere Nachbarn nahmen wir von einem Dauertest, bei dem wir gleich den Tank spülen wollten, Abstand. Michas Reparaturversuche der elektrischen Bilgenpumpe verliefen aufgrund der konstruktiven Beschaffenheit des Gerätes im Sande. Einen erfolgversprechenden Ansatz lieferte ein von Wolfgang beschafftes Schlauchstück, mit welchem wir den vorhandenen Schlauch so verlängerten, daß wir die Problemzonen erreichten. Während des Probelaufes stellten sich die erzielten Fördermengen als unzureichend (gleich Null) heraus. Erst nachdem wir den Schlauch bis zur Pumpe von Hand mit Wasser gefüllt hatten, trat eine Förderwirkung ein. Während wir vier unter Deck mit Salzwasser und Essigreiniger aasten, hielt unsere Deckscrew den Kontakt zu unseren Nachbarn, die uns Nachschub an Essigreiniger lieferten. Auf sein Stichwort hin "Olli go!" begann Olli damit, mittels der Handlenzpumpe das Wasser des Hafenbeckens zu kontaminieren. Nach ca. 1,5 Stunden konnten wir uns in einem relativ neutral riechendem Salon auf die von Robert schon vorher in allen Einzelheiten beschriebenen Gänge des Abendmenüs freuen. 5 Gänge später setzte bei der ganzen Crew eine gewisse Sättigung ein. Während Manfred und Wolfgang sich ihrer Lieblingsaufgabe, dem Abwasch, widmeten philosophierten Micha und Olli über die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten eines CO2-Korkenziehers. Der Wetterbericht ließ für den nächsten Tag nichts Gutes erahnen, lauteten die Vorhersagen doch auch weiterhin auf 8 - 9 Bft. mh Nachtrag: Das Zitat des Tages stammte von Sonja, die beim Abendessen von einer kleinen Begebenheit erzählte und dann mit folgender Aussage schloß: "Eigentlich hatten wir noch eine ganze Menge zu essen, aber dann kamen Heines!" ob |