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Tag 4 - 28.08.2001
Nach der gestrigen abendlichen Kalorienorgie stand es unumstößlich fest, daß wir diese Kalorien heute wieder abarbeiten und uns das Abendessen bei einem "kurzen" Schlag nach Grena verdienen. Um 10:00 Uhr waren wir alle soweit, daß wir auslaufen konnten. In Anbetracht der vom Wetterbericht vorhergesagten 8 - 9 Bft. bereiteten wir uns und das Schiff auf diesen Törn vor. Schon bei der Hafenausfahrt machten sich diese Vorbereitungen bezahlt, was bei der Inselfähre noch so locker und lässig aussah, gestaltete sich für uns schon als Achterbahnfahrt. Bei einer Wellenhöhe von ca. 2 Meter gebärdete sich die Bavaria wie ein Rodeopferd. Dem Motto von Ollis Vater folgend sahen wir die positive Seite der Geschichte und werteten wir dies als Test für unsere Decksluken. Sonja und Jule werden an dieser Stelle der positiven Auslegung sicher vehemend wiedersprechen, hat ihr Luk den Test mit Pauken und Trompeten nicht bestanden und ihre Schlafsäcke mußten das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes ausbaden. Nach dem Segelsetzen gestaltete sich unser Fahrstil etwas ruhiger und wir nutzen die Chance, um der minimalen Undichtigkeit mit einer gehörigen Portion Sika auf den Leib zu rücken, hatten die Beiden doch die Wahl zwischen einer abtrocknenden Koje und schlechter Lüftungsmöglichkeit oder guter Lüftung mit regelmäßigem Wassereinbruch. Unsere Überfahrt über die Aarhus Bucht verlief abgesehen von den üblichen Opfergaben an Neptun und dem Ausfall des bordeigenen GPS ohne nennenswerten Ereignisse. Die Warnung im Hafenführer, daß bei starken Winden aus Nord eine starke Querströmung zur Hafeneinfahrt setzt nahmen wir sehr ernst. So bargen wir rechtzeitig die Segel und steuerten die betonnte Rinne zum Hafen an. Kurz bevor wir die Molenköpfe erreichten setzte die Maschine kurzzeitig aus und verstarb letztendlich mit einem sanften Röcheln gänzlich. Dank unserer jahrelangen Chartererfahrung gelang es uns rechtzeitig die Genoa soweit auszurollen, daß wir wieder manövrierfähig waren. Jetzt zeigte es sich, daß die jahrelange Jollenerfahrung einiger Crewmitglieder sich auch auf 42-Fuß-Yachten bewährt. Mit einem eleganten all-in-one Manöver gelang es uns das Schiff mit einem Aufschießer in eine der freien Boxen zu manövrieren und über die Heckleinen abzustoppen, bevor der Anker auch nur einen Teil des Steges ankrazte. So oder ganz anders hätte es vielleicht kommen können, wenn wir den Wetterbericht nicht beherzigt hätten und ausgelaufen wären. Was sich heute wirklich zugetragen hat..... mh
Ein Tag im Hafen wegen des weiterhin sehr starken Windes ist auch mal eine nette Erholung. So konnten wir heute mal etwas ausschlafen. Aber da um 9 Uhr schon alle wach waren, gab es schon um diese Zeit Frühstück. Das Wetter gebot, zumindest den Vormittag im Hafen zu verbringen und so beschlossen wir, ersteinmal die Vorräte an frischem Gemüse aufzustocken, indem wir vom Bauernwagen mit der Vertrauenskasse etwas Porre, ein paar Karotten und frische Petersilie kauften. Für die, den Norden nicht so kennen: "Vertrauenskasse" bedeutet allen Ernstes, daß der Wagen mit dem Gemüse da einfach ohne Bewachung in der Gegend steht, an den Büscheln Preise und nebendran ein Kasse mit Geldschlitz. Wer sich etwas nimmt, steckt den Betrag in die Kasse. Niemand da, der aufpaßt. Und es geht trotzdem gut. Nach der aktuell zu beobachtenden Wetterlage mit sehr starken Böen (Wind: 7-8 in Böen entsprechend mehr) und auch in Anbetracht der Wettervorhersage kristallisierte sich bald heraus, daß auch ein Auslaufen am Nachmittag unwahrscheinlich war. Der Blick auf die See bei unserem kleinen Inselrundgang tat dann ein übriges dazu, uns zu überzeugen, daß wir hier zwar theoretisch immernoch gut wegkämen, aber es eigentlich nicht nötig hatten, uns diesen Streß anzutun. Lieber genossen wir noch etwas diesen sehr idyllischen Ort und wanderten an der Küste entlang. Dabei genossen wir die Vorteile der heimischen Vegetation: Brombeeren und Äpfel direkt vom Busch bzw. Baum schmecken immernoch am Besten!
Der Rückweg direkt über die Insel bot mit dem malerischen Friedhof und der Kirche, deren Turm ein Leuchtturm ist, noch einige Sehenswürdigkeiten. Wir streiften durch das kleine Dorf und fanden problemlos den Rückweg zur Scorpion, wo Jule sich die Zeit mit Lesen vertrieb.
An Bord gaben sich alle wieder der Entspannung hin. Mit guter Musik ist sogar das Putzen der Küchenfenster eine Art der Entspannung, zumindest eine Zeit lang. Dann wurde dieser Törnbericht noch nachgebessert, vervollständigt und weitergeführt und Robert und Wolfgang machten sich nocheinmal auf den Weg zur anderen Seite der Insel, wo es einen im Wasser installierten Windpark zu sehen gibt. Als die Wandergruppe über Funk ihre Rückkehr ankündigte, machte Manfred wie gewünscht Kaffee. Dabei versuchte er sich zusätzlich noch im Kaffeesatzlesen. Mit Erfolg: Schon nach kurzer Zeit konnte er eine Putzaktion ankündigen, die dann auch wirklich stattfand, um die gestern frisch geputzten Bodenbretter wieder vom Kaffeesatz zu befreien... ob |