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Tag 6 - 30.08.2001
Das Auslaufen legten wir auf 12 Uhr fest, so daß wir noch etwas Zeit zur Erkundung von Anholt hatten - zumindest einmal kurz den Berg mit dem Radarturm wollten die meisten von uns besteigen. Vorher mußten wir aufgrund ausgehender Vorräte allerdings noch den Kaufmannsladen aufsuchen. Auf ausgiebiges Plündern der rar gefüllten Regale verzichteten wir allerdings wegen der dänischen Preise zuzüglich eines nicht zu knapp gewählten Inselzuschlags und füllten nur die nötigsten Dinge auf, im wesentlichen Butter und noch etwas frisches Obst. Das Frühstück war dennoch üppig. Danach ging die Erkundung der Insel los, in kleinen Grüppchen fanden alle mehr oder weniger die gleichen Wege nach oben oder auch wieder nach unten. Der Ausblick lies einen über die teils der Heide ähnlichen Landschaft staunen, erstreckte sich aber auch über einen Campingplatz in den Dünen und den Hafen. Schon gegen halb zwölf fanden sich alle wieder an der Scorpion ein, so daß wir pünktlich ablegen konnten.
Mäßiger Wind ließ uns nach dem Ablegen sanft über die flache (etwa 5 Meter) Ostsee gleiten. Das klare Wasser war lichtdurchflutet und wir konnten den sandigen Grund sehen. Kaum Wellen, aber auch wenig Wind. Mit nur 3 Knoten kamen wir unserem Ziel Läsö näher, so daß wir kurzfristig umdisponierten und als Tagesziel Saeby auswählten, das wenige Seemeilen südlich von Frederikshavn auf dem Festland liegt. Da Frederikshavn der vereinbarte Hafen für den Crewtausch war, waren wir damit also auf alle Fälle auf der sicheren Seite. Ein Militärgeleitzug aus mehreren Zerstörern und einem Versorgungsschiff kreuzte unseren Weg. Aus der Ferne konnten wir das Übergabemanöver beobachten. Aufgrund unserer eigenen knappen Vorräte kam die Idee auf, den Versorger anzufunken und nach einer Versorgungseinheit zu fragen. Da wir uns aber nicht über die Taktik einigen konnten - zur Debatte standen Entern nach Bedrohung mit dem Rosinenabschußapparat, Einschmuggeln von Alkoholvorräten und Abwarten der kampflosen Übergabe oder die Benutzung fingierter Formulare - nahmen wir Abstand von der Aktion, allein aus Angst, der kommandierende Offizier an Bord hätte Humor und könnte auf die Idee kommen, uns einen Container an Bord zu stellen... Am frühen Abend frischte der Wind auf und der Blister zusammen mit dem uns günstig versetzenden Strom trieben die Scorpion nun mit 5 und mehr Knoten gen Saeby. Robert bereitete das Essen, einen Nudelsalat und einen Auflauf, vor und der Tisch wurde gedeckt. Doch die Einfahrt in den Hafen rückte schneller näher, als zunächst angenommen und so verschoben wir das Essen auf die Zeit nach dem Anlegen. Zwar beruhigte sich die Fahrt nach dem Bergen des Blisters in der Dämmerung etwas, doch die Einfahrt in den Hafen und die letzten Meilen vor Saeby wollten wir unter Motor vornehmen, da flache Stellen, starker Strom und nur bedingt gut zu erkennende Befeuerung keine guten Bedingungen für eine Einfahrt unter Segeln geboten hätten.
Das Einlaufen in den Hafen hielt einige Überraschungen für uns bereit - Zitat: "Tiefe: 2,20m - 2,0m - 1,90m - 1,80m - 1,70m - 1,90m ..." Bei einem angenommenen Tiefgang von 1,80 Metern war das der Beweis, daß entweder unsere Annahme zum Tiefgang oder die Angabe des Echolots - laut Vercharterer Tiefgang ab Wasserlinie - nicht stimmen konnte. Aufgesetzt haben wir jedenfalls nicht. Ging ja auch gar nicht, denn schließlich sagt das Hanfenhandbuch zwar etwas von Versandung, merkt aber an, daß die Tiefe nicht 3 Meter im Hafen geht...
Beim Essen war schon zu merken, daß alle wieder recht müde waren und so war nach dem Nachtisch Pudding ala surprise mit alternativer Nutella-Verwertung dann auch bald in allen Kojen selige Ruhe angesagt. Beim Essen wurde dann noch beschlossen, daß - so Wind und Strömung mitspielen würden, das Tagesziel und damit der Treffpunkt mit den neuen Crewmitgliedern dann Skagen sein sollte. Der lange Weg zum Klo und ein vorsichtiger Blick über die Mole zeigten deutlich die Tendenz zu weiter auffrischendem Wind und einer sich aufbauenden Strömung in Richtung Norden. Den Einfluß des Tidenhubs der nahen Nordsee merkten wir am Boot deutlich, da sich die Höhe des Decks und des Kais voneinander mit fortschreitender Stunde umso deutlicher unterschieden. ob |