Ostsee 2001

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Heute hätten wir nur einen teilweisen Ausschnitt, so vertrösten wir lieber nochmal auf morgen

Tag 12 - 05.09.2001

Wolkenspiegelung

Noch völlig überwältigt von dem gestrigen Meeresleuchten regten sich gegen 08:00 Uhr die ersten Geister an Bord. Monique trat den Versuch an, die Tür des Herzhäusels mittels der geheimen Zahlenkombination zu öffnen. Waren Niko, Olli und Fritz gestern nach 23:00 Uhr doch daran gescheitert.

Währendessen kochte Martin bereits die erste Ladung Tee. Ihr Rückweg führte Monique an ein paar Brombeersträuchern vorbei, so daß wir in den Genuß von frischem Obst zum Frühstück kamen. Nach dem Ablegen erwartete Niko ihre erste Herausforderung des Tages, der Tanker am Kai der Raffinerie wurde von mehreren Schleppern ins Fahrwasser gezogen und uns damit der Weg versperrt. Während wir Warteschleifen drehten, konnten sich Monique und H.-D. über den weiteren Kurs einigen. Diese Diskussion war überwiegend von den Worten "Da sollte doch eigentlich...." begleitet. Bis kurz vor Marstrand hatten die beiden genug Zeit sich auf ihre Navigationsstrategie zu einigen, denn bis dahin konnten sie nach Sicht navigieren und wir mußten unter Maschine laufen.

Cockpit

Marstrand, Festung

Doch dann hielt es Martin nicht mehr aus und ließ Segel setzen. Jetzt war die Navi gefragt, galt es doch herauszufinden, wie dicht wir uns ans Ufer heranwagen konnten. Von nun an galt es, GPS-Positionen in die Karte einzutragen und Seezeichen zu peilen. Ab der Einfahrt nach Marstrand gab es kein Halten mehr, der Wind kam achterlich, der Streßballon (Blister) wurde ausgepackt. Sofort wurde unsere Geschwindigkeit um einen Knoten gesteigert, was uns zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3 Knoten verhalf.

Für den weiteren Weg in Richtung Göteborg wählten wir den inneren Weg, welcher uns durch Passagen mit einer Durchfahrtsbreite von ca. 6m führte. In einer dieser Passagen fiel der Blister ein und wehte dabei Micha das Basecap vom Kopf. Der Bootshaken war nicht schnell genug griffbereit und die Mütze trieb schnell achteraus. Für eine Wende fehlte uns der Platz, es blieb nur die Rückwärtsfahrt unter Maschine und 5 Minuten später konnte das gewässerte Objekt am Handlauf befestigt und getrocknet werden.

Schattenspiel

Kaum hatten wir die Engen passiert und unseren Weg gen Süden eingeschlagen, als ein verräterisches Plätschern in unserem Heckwasser uns alle aufhorchen ließ. Der Blick zum Verklicker ergab keinen eindeutigen Vorteil zu gunsten des Blisters oder der Genoa. Also wurde zuerst der Blister noch feingetrimmt und so noch ca. ein halber Knoten herausgekitzelt. Bei weitem jedoch nicht genug für unseren Gegner, eine Comfortina. Der Wechsel auf die Genoa ließ die Geschwindigkeitsdifferenz schon deutlich schrumpfen und wir wollten uns schon auf einen "harten" Zweikampf einrichten, als die Comfortina abdrehte und einen anderen Weg einschlug.

Der weitere Weg bis nach Göteborg verlief ohne weitere erwähnenswerten Ereignisse und wir trafen am frühen Abend in Lilla Bommen ein. In der Hafeneinfahrt hatten wir Gelegenheit, einen kurzen Blick auf die SEB-Yacht für das Volvo-Ocean-Race zu werfen, bevor uns der selbige durch eine weiße Wand mit der Aufschrift "Stena-Germanica" verbaut wurde.

Beim Abendessen entwickelte sich eine rege Diskussion wie man einen Mann darauf hinweist, daß der Reißverschluß seiner Hose offensteht. Jule berichtete von einem Erlebnis mit einem ihrer Professoren, welches von Monique bestätigt wurde. Ollis Frage, wie einem denn so etwas auffallen würde, wurde von unseren Damen mit der Bemerkung "Wo soll man denn sonst hinsehen?" beantwortete und leitete nahtlos in eine Debatte über Inhalte von Frauengesprächen über, deren Höhepunkt gerade mit der Analyse einer Beilage einer Frauenzeitung "100 Singels zum Verlieben" erreicht wird.

mh

Gegenverkehr

Nachtrag: Dank unserer direkten Hotline zum Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg, konnten wir, so genau es die Weitergabe der Beobachtungen am gestrigen Abend durch einen Haufen Nicht-Biologen zuließ, das Geheimnis des leuchtenden Wassers klären:
Beobachtung: Wasser, leicht salzig, bei Tageslicht mit leichten schlieren bedeckt, aber dennoch bis zu zwei bis drei Metern Sichttiefe, fängt an hellgrün zu leuchten bis in ca. 30 cm Tiefe, vorwiegens an der Oberfläche, wenn nachts etwas die Oberfläche berührt, bei genauer Beobachtung sind vereinzelte grüne Blitze im Wasser zu sehen, wenn es ruhig ist.
Verena recherchierte nach einem Tip von ihrer Chefin Iris für uns folgendes Ergebnis:
Ergebnis: Eine Reihe von Dinoflagellaten (Noctiluca miliaris und andere Noctiluca-Arten, Gonyaulax polyedra, u.a.) zeichnen sich durch die Fähigkeit zur Biolumineszenz aus, die auf einer Spaltung von Luciferin durch Luciferase beruht:
Die Reaktion ist sauerstoffabhängig und ATP-verbrauchend. Man unterscheidet zwischen zwei Lumineszenz-Erscheinungen:
1.Induzierte Lumineszenz. Sie wird beispielsweise durch kräftiges Schütteln der Zellen, in der Natur durch Wellenschlag, hervorgerufen. Die Zellen reagieren auf die Störung durch Lichtblitze von ca. 0,1 sec Dauer. Die Aktivität (der Luciferase) unterliegt einer endogenen Tagesrhythmik (B. M. SWEENEY und J. W. HASTINGS, 1957, B. M. SWEENEY, 1963).
2.Spontane Lumineszenz. Hierbei handelt es sich um eine stetige Lichtemission mit tagesperiodisch schwankender Intensität.

In gemeinsamer Diskussion an Bord wurde also beschlossen, daß es sich um diese kleinen Dinos im Wasser gehandelt hat, die, wenn man sie antippt, anfangen zu blinken. Vielen Dank nach Hamburg!

ob


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Segelcrew Ostsee
Last modified: Sun Sep 16 22:00:36 CEST 2001