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Hafentag, keine Streckenkarte Tag 15 - 08.09.2001
Beim Frühstück sahen alle noch etwas müde aus. Wieso eigentlich? Um 12.00 Uhr hatten wir doch alle acht Stunden geschlafen??? Naja, nicht ganz, schließlich war 12.00 Uhr das Ende vom Früh- stück und wir hatten vorher noch geduscht. Es sollte nochmal erwähnt werden, wie sehr man nach einiger Zeit auf See fließend warmes Wasser, unbegrenzt laufend wirklich zu schätzen weiss... Wir brachen also auf, Helsingör zu besichtigen. Schnuckeliger Touriort, vor allem auf Schweden ausgerichtet, die mal eben "Öl" kaufen wollen (=Bier). Zuerst ging es zum Bahnhof, wir wollten uns morgen früh den Schock über dänische Bahnpreise ersparen und schon mal die Abfahrtzeiten nach Kopenhagen erfragen. Geboten wurde uns ein ausgesprochen zuvorkommendes und lustiges Exemplar der Sorte "Fahrkartenverkäufer". Preise moderat - kein Schock - und auch am Sonntag freie Zugwahl. Die Deutsche Bahn sollte sich dringend ein Beispiel nehmen. Die Pölserverkäuferin war dafür um so langsamer und überforderter...und dafür wiederum waren die im Eisladen aber besonders nett.
Nächste Station war das Karmeliterkloster. Wunderschöner gotischer Kreuzgang um eine Linde herum, im Hintergrund Orgelmusik. Wer möchte da nicht Mönch werden...leider war die Kirche verschlossen, ebenso die St. Olei - Kirche (und später auch die Schlosskirche...). Kein Glück mit dem Himmel...sogar der Luftdruck beträgt gerade 988 mbar - das verheißt nichts Gutes. (Oder viel Freude, wenn man anderen an Bord hier glauben darf. Berichten aus Gedser und Tetenbüll zufolge bläßt es dort schon heftigst und auch hier beträgt die Grundgeschwindigkeit des Windes über 20 Knoten, Tendenz steigend.)
Das Hamletschloss besichtigte nur noch die Hälfte der Crew - die andere Hälfte hatte es schon gesehen oder war zu geizig für den Eintritt. Mit Hamlet hat das Schloss nur insofern zu tun, als man das Stück von Shakespeare hier aufgeführt hat. Historisch ist die Gestalt jedenfalls nicht. Bemerkenswert waren auf jeden Fall die Infos über das typische Essen im 17. Jahrhundert. Für 12-24 Gänge in zwei bis drei "Runden" wurden 8 kg Fleisch pro Person, 5-7 l Wein und über 5-6 Stunden gerechnet. Ein Glas überlebte in der Regel so ein Abendessen nicht. Die Tischdecke diente dazu, sich die fettigen Hände abzuwischen..
Die bestimmt historisch wertvollen Gobelins erweckten nicht unser spezielles Interesse - im Gegensatz zu den "Casamematten". Düstere, feuchte Kellergewölbe (7 Grad), die je nach Bedarf als Pferdeställe, Bäckerei, Brauerei, Schmiede oder auch Soldaten- unterkünfte dienten. Letzteres besonders in Belagerungszeiten. Denn obwohl das Schloss als Festung ausgebaut ist, hat es zumindest der Belagerung durch die Schweden nicht standhalten können. Schande! Das Schloss diente vor allem, Macht zu repräsentieren, um die Sundzölle einzufordern. In den Casematten begegnete uns Holger der Däne. Aus Stein. Er wartet der Sage nach noch darauf, Dänemark in schwerer Stunde mit einer Armee aus Kindern und Greisen zur Hilfe zu eilen. Für die Besichtungung der Schlosskirche reichte dann leider die Zeit nicht mehr. Auf jeden Fall muss hier erwähnt werden, dass dieser Besuch HD mehrfach dazu inspirierte, teile aus Hamlet zu zitieren. Mit Grabesstimme und viel Pathos: "...To be or not to be, that is the question..."
Und wir wissen jetzt, dass Hamlet psychiatrisches Potential hat: Hamlet hat der Sage nach (Erzählung bei Saxo germanicus, die wiederum auf eine dänische Chronik beruht),zunächst von einer Geistervision Kunde bekommen, dass sein Vater von seinem Onkel ermordet wurde. Er war daraufhin so unsicher,ob er dies glauben könne, dass er diese Tat von einer Schauspieltruppe spielen liess, um aus der Reaktion seiner Mutter, die inzwischen mit dem besagten Onkel verheiratet war, Rückschlüsse auf die Wahrheit zu erhalten. Schizophren? Grenze der Paranoia...und die Inszenierung doch nur eine Self-fullfilling prophecy. In dem Schloss ging Nik verloren, die aber trocken an Bord saß, als Monique, HD und Jule ziemlich durchnässt eintrafen. Martin und Micha haben währenddessen eingekauft. Sehr löblich, sie haben auch an den obligatorischen dänischen Kuchen gedacht. Und nach dem Abendessen machte sich dieselbe Müdigkeit wieder breit, die auch schon am Frühstückstisch zu bemerken war. So verschwanden 50% der Crew schnell in den Kojen, derweil sich die anderen vier um die drei Computer balgten. Aber auch solche Probleme werden gelöst, zum Beispiel dadurch, dass der Bericht für heute einfach beendet wird. jh |