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Tag 17 - 10.09.2001Die Nacht war stürmisch und unruhig, die Scorpion neigte sich nur wegen des Winddrucks einige Male stark zur Seite im Hafen und der Sturm pfiff in den Wanten. Gegen Morgen hatte der Wind aber irgendwann gedreht und nachgelassen, so daß wir besser in der Abdeckung lagen und auch oben weniger durch die Wanten ging. Erst nach 9 Uhr begannen wir mit dem Frühstück und einzelne machten noch einen schnellen Rundgang über die Insel, um das Fort wenigstens vor dem Ablegen nocheinmal bei Tageslicht gesehen zu haben.
Nach dem Ablegen bogen wir in die Fahrrinne ein und genossen zu beiden Seiten die Anblicke, zur einen von der Brücke, zur anderen von Kopenhagen und insbesondere mit fortschreitender Fahrt von Kopenhagens Flughafen, von dem die Flugzeuge in enger Folge starteten und über unsere Köpfe hinwegdonnerten. Allerdings war plötzlich wohl Mittagspause angesagt und für 20 oder 30 Minuten flog kein einzieger Flieger mehr ab. An unserer Masthöhe sollte es zumindest nicht gelegen haben, begegneten uns doch die ganze Zeit größere Schiffe in der Fahrrinne, fast alle als Gegenverkehr, kein Überholer diesmal.
Wir segelten dann in Richtung Mön. Der Wind war stark, aber die Fahrt war OK. Doch plötzlich, wir hatten gerade gewagt auszureffen, kam ein Regenschauer gepaart mit sehr starken Böen über uns herab, der es Julia schwer machte, den Kurs zu halten. Ein bischen gemein war es schon, daß sie sich dann von allen möglichen Seiten Sprüche anhören mußte wie: "Wo segelst Du denn hin???", obwohl jeder wußte, daß das einfach eine ungünstige Paarung von viel Wind und (zu?) starker Besegelung war. Aber wer den Schaden ht, braucht für den Spott ja bekanntlich nicht zu sorgen... Als wir dann in die Nähe der Kreidefelsen kamen, war die Spannung groß, aber das Wetter schlecht und so sahen wir die weißen Wände nur in verregnetem Grau oder schwarz auf grün auf dem Radarschirm. Plötzlich tauchte ein Radarecho vor uns auf, zu dem sich keine Entsprechung auf dem Wasser mit dem Fernglas entdecken ließ. Wir fuhren eindeutig darauf zu und da wir etwas Bedenken hatten, ob es sich um eine Reihe vom gekennzeichneten Stellnetzen oder Fischerfähnchen handelte, änderten wir dann unseren Kurs und versuchten dem geheimnisvollen Radarecho auszuweichen. Diese Aktion brachte uns auf weitere Schwachstelle der Radaranbringung: Was wir gesehen hatten war ein Geisterecho der Küstenlinie, das vermutlich durch den Großbaum ausgelöst wurde - der intelligenterweise auf gleicher Höhe mit der Radarschüssel liegt...
Wir konnten auf den alten Kurs zurück und rundeten dann nach Sicht die Klippen. Da wir in Richtung des Hafens kreuzen mußten, entschlossen wir uns ungefähr zwei Seemeilen vor dem Hafen, den Rest auf direktem Kurs unter Motor zurückzulegen. Natürlich kam erstmal wieder kein Kühlwasser und wir mußten den Motor nocheinmal ausmachen, die Genua wieder setzen und manuell Kühlwasser im Motorraum anfüttern, bis die Pumpe wieder zog. Die Sauna in Klintholm gibt es noch, sie war sogar noch eingeschaltet, nur leider voll. Der Kaufmannsladen war zu, der Hafenmeister nicht da. Aufs Klo kann man dennoch, die Duschen sind mit Duschmarken aus dem Automaten zu nutzen und Strom und Wasser gibt es auch. Also, alles nicht so schlimm, die Mannschaftmotivation ist immernoch gut. Nachtrag: Martin, Michael und Oliver waren dann mitten in der Nacht, so gegen kurz vor Mitternacht, doch noch in der noch immer eingeschalteten Sauna und haben es genossen, nach zwei Gängen und einer frischen Dusche sauber und entspannt ins Bett gehen zu können. ob |