Ostsee 2002

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Tag 2 - 10.08.2002

Großenbrode - Rostock

Sonja

Gegen 03:00 Uhr meinte Micha dann zu mir, dass er sich jetzt gerne hinlegen würde und ich stieg in meine Klamotten. In der Zeit, in der ich mich in der Koje aufgehalten hatte, hatten nach und nach durch Müdigkeit oder Kälte bedingt auch Sonja, Niko und Wolfgang den Weg in die Koje gefunden. Connie hatte Niko bereits am Ruder abgelöst. Die Position, die Micha mir als letzten Standort auf der Karte zeigte, war nicht gerade berühmt und zeugte davon, dass unsere Anreise doch etwas länger dauern würde.

Nach der Übergabe verschwand Micha in seiner Koje und Connie und ich richteten uns im Cockpit ein. Aufgrund der Feuchtigkeit im Cockpit war eine Regenhose angeraten, doch richtig kalt war es eigentlich nicht. Meile für Meile bahnten wir uns unseren Weg gen Osten, während dort langsam die Sonne aufging.

Gegen 12:00 Uhr erreichten wir den Tonnenstrich zur Einfahrt nach Warnemünde, wo wir uns in den Strom der auslaufenden Traditionssegler einreihten. Nicht, das die Dehler bereits als solcher einzustufen wäre, aber man braucht ja ausreichend Motive, um Bilder für diese Homepage einzufangen ;-).

Nach einer Runde durch das Feld der alten Schiffe steuerten wir Warnemünde an, in der Hoffnung dort einen Schiffsausrüster zu finden, bei dem wir eine Verlängerung für unser Landstromkabel erstehen können. Sehr zu unserem Bedauern und dem des Vercharterers waren nämlich keine 15m an Bord, sondern nur ca. 7. In einem kurzen Telefonat mit der Marina Großenbrode holten wir uns grünes Licht für die Neuerwerbung und hakten gleichmal wegen der Genoa 1 nach. Wie nicht anders zu erwarten, existiert keine für dieses Schiff.

Traditionssegler

Leider wurde uns in Warnemünde mitgeteilt, dass wir das benötigte Kabel nur im Stadthafen erwerben könnten. Für uns hieß es somit, mit der Karawane gen Süden zu ziehen und uns in die Schlange der Liegeplatzsuchenden im Stadthafen einzureihen. Weil wir nicht davon ausgehen konnten, dass der Schiffausrüster trotz der Hanse Sail länger als bis 16:00 Uhr aufhat, setzten wir Micha an einem "Nur für Dauerlieger!" gekennzeichneten Steg ab, noch ehe irgendwer auch nur Luft geholt hatte, um uns auf diesen Umstand lautstark hinzuweisen, waren wir schon wieder am kreiseln. Am letzten Steg wurden wir bei einer Lücke fündig, die eigentlich keine war. Doch getreu nach dem Motto des Hafenmeisters von Kopenhagen Langelinie "Wo 2m Luft zwischen 2 Schiffen ist passt eine Dehler locker rein!" (vergleiche Törnbericht Mai 1998) verschafften wir uns die Breite, die wir benötigten. Schon bei unserem Anlegemanöver zeichnete sich einer unserer Nachbarn durch seine verbale Hilfeleistung besonders aus.

Als wir gut vertäut am Liegeplatz lagen und auch Micha von seiner leider erfolglosen Exkursion wieder eingesammelt hatten, gingen wir daran, unseren Hunger nach Strom zu stillen. War doch die verfügbare Leistung unserer Bordbatterie mittlerweile auf ca. 25% der Nennleistung abgesunken, unser Kühlschrank aber noch zu 90% gefüllt.

Es kam wie es kommen mußte, die verfügbaren Anschlußplätze waren hoffnungslos überbelegt, was uns jedoch nicht daran hinderte, uns mit einzustöpseln. Hatten wir gehofft, nun in Volt und Ampére schwelgen zu können belehrte uns die Kontrolleuchte für die Landstromversorgung eines Besseren, sie blieb dunkel. Nachdem das Adapterkabel als Fehlerquelle ausgeschlossen werden konnte, machten wir uns Gedanken darüber, wie wir die Fehleranalyse ohne Meßgerät effektiv fortsetzen konnten. Wolfgang kam auf die Idee, die Batterien und die Glühlampe der Taschenlampe als improviserten Durchgangsprüfer einzusetzen. Soweit so gut, aber wie, wenn sich auf dem ganzen Schiff kein Kabelrest finden lässt, welcher zum Anschluss an die Bauelemente taugt... Zu guter Letzt wurden wir bei den Büroklammern fündig. Derart gut präpariert machten wir uns ans Werk und prüften Ader für Ader das Kabel der Landverbindung bis zum Sicherungsautomaten. Als wir beim FI-Schalter ankamen, wurden wir fündig, dieser schaltete nicht mehr durch. Nach kurzem Abwägen des Dafür und Dagegen fiel die Entscheidung zu Gunsten einer gesicherten Landstromverbindung und zu Ungunsten des FI-Schalters. (Alle Elektriker und Hobbybastler, die dies lesen, mögen uns verzeihen und von Mails, die uns über die möglichen Konsequenzen aufklären sollen, absehen - wir werden ihn sobald als möglich ersetzen.)

Mit einer gesicherten Lademöglichkeit für unsere arg gebeutelte Batterie im Rücken konnten wir die Attraktionen unseres Liegeplatzes in vollen Zügen genießen.

Den mit Abstand höchsten Unterhaltungswert bot der in Sichtweite aufgestellte Kran für Bungee-Springer. Man sollte nicht glauben, wie viele Möglichkeiten des Sprunges sich beobachten ließen. An zweiter Stelle kamen eindeutig die Anlegmanöver der Traditionssegler, die dirket hinter unserem Heck ihre Liegeplätze hatten.

Das grandiose Feuerwerk, welches aus gegebenen Anlaß abgebrannt wurde, läuft hier außer Konkurrenz, alle anderen Bestandteile des Animationsprogramms wären sonst hinfällig....

Die Nachtfahrt saß den meisten von uns noch so in den Knochen, dass sie trotz der nicht zu überhörenden Live-Musik von der Bühne des Radiosenders Antenne sehr zügig den Weg in die Kojen fanden. Noch andere Geräusche waren in dieser Nacht nur sehr schwer zu überhören und veranlassten Micha dazu, die Schlafstatt zu wechseln......

mh

Strecke 10.08.2002

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Martin Heine/Segelcrew Ostsee
Last modified: Thu Aug 29 00:30:55 CEST 2002