Ostsee 2002

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Tag 6 - 14.08.2002

Vejrö - Kerteminde

Micha, Connie

Nach und nach kehrten die Lebensgeister in das Schiff zurück und bei einem noch leicht wolkenverhangenen Himmel wurde der Frühstückstisch gedeckt und an dem selben die ersten Überlegungen für die heutige Wegstrecke angestellt. Unsere Planung ging dahin, unseren Weg gen Westen fortzusetzen und bei Omö vom Smallandsfahrwasser in den Großen Belt zu wechseln. Bei dieser Variante hatten wir die Option, je nach Zeit und Wohlbefinden der Crew nach Omö einzulaufen oder aber durch die Brücke am Großen Belt weiter nach Kerteminde zu segeln.

Kurz hinter der Hafenausfahrt setzten wir die Segel und (was auch sonst) kreuzten in Richtung Nordwest. Das Wetter zeigte sich von der besten Seite, bei Sonne und moderaten 3 - 4 Bft konnten wir unter vollem Groß und der Genoa 2 unsere Bahn ziehen.

Wen wundert es, dass unter diesen Bedingungen auch der Verbrauch an Keksen, Gummibärchen, Mini-Salamis etc. rapide anstieg? Am frühen Nachmittag begannen schon die ersten Verteilungskämpfe um die raren Schattenplätze , während wir durch die Enge zwischen Seeland und Agersö gen Norden kreuzten.

Sonnenuntergang

Wie in der Karte vorgeschlagen meldeten wir unsere Absicht die Brücke auf der östlichen Seite zu passieren, bei "Great Belt Traffic" an. war doch eine Passage westlich von Sprogö mit unserer Masthöhe von min. 18 m nicht ratsam. Die Reaktion von "Great Belt Traffic" fiel wie erwartet aus, sie wiesen uns die Durchfahrt zwischen dem östlichen Pylon und dem entsprechenden Ankerblock zu und wünschten uns ansonsten eine gute Reise. Bis kurz vor die Brücke setzten wir unser Kreuzen fort, bevor die Brücke unter Maschine passierten. Auch wenn wir mit einer Durchfahrtshöhe von 52m sicher sein konnten, auch nicht nur im Entferntesten der Fahrbahn zu nahe zu kommen, stellte sich der optische Effekt, dass wir nur ganz knapp unter der Brücke durchpassten wieder ein. Kaum hatten wir die Zone des Verkehrstrennungsgebietes passiert, setzten wir wieder die Segel und setzten unseren Kreuzkurs nach Kerteminde fort. Nach und nach wurde unsere Vermutung Gewissheit, aufgrund der geringen Geschwindigkeit wirkte sich der südsetzende Strom sehr stark aus. Zeigte uns der Kompass einen Kurs von kanpp 300 Grad, so ermittelten wir aus der Karte einen Kurs von ca. 280 Grad und "schlechter". Als der Wind immer weiter einschlief und wir eigentlich mehr auf die Brücke zu trieben, als das wir von ihr weg segelten, fiel unsere Wahl wieder auf den Maschinenantrieb. Wir bargen also die Segel undsetzten den Kurs in Richtung Kerteminde Yachthafen ab. Die errechnete Ankunftszeit lag bei ca. 21:45 Uhr, so daß ziemlich bald die Entscheidung fiel schon "auf See" mit dem Kochen zu beginnen. Der Zeitpunkt des Hafeneinlaufes fiel mit dem zu dem die Nudeln gar waren nahezu zusammen, so dass wir uns schon auf ein zügiges Abendessen direkt nach dem Festmachen freuten. Noch während des Manövrierens im Hafen tauchte Connie aus dem Niedergang auf und vermeldete, es würde im Salon sehr stark nach verfaulten Eiern stinken. Just in dem Moment wehte uns allen der entsprechende Duft um die Nase, womit das Hafenwasser als Verursacher entlarvt war. Die passende Box war schnell gefunden, das Boot vertäut und auch der Landstrom angeschlossen, war unsere Versorgerbatterie doch schon wieder kurz vor dem Kollaps. Das Abtauchen in den Niedergang war dann ziemlich niederschmetternd. War die Luft an Deck wieder durchaus erträglich, hing der Geruch von faulen Eiern noch unter der Decke des Salons. In Sitzhöhe war die Geruchsbelästigung durchaus erträglich oder wir hatten uns sehr schnell daran gewöhnt, was zur Folge hatte, dass wir die Fehlersuche auf nach dem Essen verschoben. Nachdem auch die letzte Nudel verzehrt und der letzte Rest Pesto aus dem Glas gekratzt war, begaben wir uns an Deck, um unsere Nasen wieder zu reinigen. Vielleicht auch mit der Hoffnung, dass sich der Geruch mittlerweile verflüchtigt hätte und wir keinerlei Aktivitäten entwickeln mußten, jedenfalls keine außerplanmäßigen. Doch unsere Hoffnung war trügerisch, nach wie vor waberte eine entsprechende Wolke kurz unter der Salondecke. Zuerst wurden die Backskisten mit den verderblichen Waren als Geruchsquelle ausgeschlossen. Auch die Schapps mit Lebensmitteln, sowie die Bilgesektionen rund um die Motorwelle, als auch die Kielbolzen schieden nach und nach aus. Als nächstes stand die Inspektion der Backskisten mit den Tanks und Batterien an. Schon beim Hochnehmen des ersten Polsters wunderte ich mich über die ungewöhnlich hohe Temperatur die dort herrschte, fand aber Michas Einwurf, dass dort ja der Auspuff verlegt sei durchaus plausibel. Dies änderte sich jedoch in dem Moment, wo ich die Abdeckung zu dieser Backsksite öffnete und mir eine Wolke dieses Duftes entgegenschlug. Das die Motorbatterie Batteriesäure in Form von kleinen weißen Wolken absonderte, war dann nur noch die Bestätigung, dass die Geruchsquelle mitnichten das Hafenwasser war, sondern vom Schiff ausging. In einer ersten Maßnahme trennten wir den 12 V Hauptschalter, die Landverbindung, schnappten uns das Eignerhandbuch un machten es uns mit eine Taschenlampe im Cockpit bequem. Mit Hilfe des Schaltplanes arbeiteten wir uns gedanklich durch die Verkabelung, um den Quell des Übels zu finden. Als wir uns auf den Laderegler der Lichtmaschine geeinigt hatten und die Starterbatterie wieder eine anfassbare Temperatur erlangt hatte begaben wir uns wieder in den Salon, um diese auszubauen. Die imnernoch gut 70°C warme Batterie lagerten wir zum Abkühlen auf dem Steg zwischen. Jetzt blieb noch die spannende Frage zu klären, ob auch die Versorgerbatterie bei der ganzen Aktion in Mitleidenschaft gezogen worden ist oder nicht. Da diese inzwischen durchaus akzeptable Temperaturen erreicht hatte gingen wir davon aus, dass sie durch die Starterbatterei derart aufgeheizt wurde. Der Landstrom wurde wieder eingeschaltet und die Batterie erreichte auch nach 2 Stunden keine unüblichen Temperaturen, so dass wir mit einem blauen Auge davon gekommen sind. Bedingt durch diese Aktivitäten war die Zeit deutlich forgeschritten, Niko, Micha und ich setzten uns noch zusammen, um die Wunschliste an Olli zu aktualisieren. Es wurde dann noch die eine oder andere Mail verfasst, unter anderem an die Marina Großenbrode, in der wir unser aufgetretenes Problem schilderten und um einen Rückruf baten. Gegen 02:00 Uhr verlosch auch das letzte Licht, die Crew der Yesterday fiel in ihren wohlverdienten Schlaf.

mh

Strecke 14.08.2002

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Martin Heine/Segelcrew Ostsee
Last modified: Thu Aug 29 00:25:38 CEST 2002