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Tag 8 - 16.08.2002Kerteminde - KorshavnZitat des Tages:"Welcher Sack denn?"
Heute war es die Sonne, die einen Teil der Crew weckte, als sie durch die geöffnete Vorschiffsluke schien und so wieder einen relativ frühen Tagesbeginn einläutete. Schon gestern hatten wir ins Auge gefasst, an Land zu frühstücken, sofern es das Wetter zulässt. Als nach und nach die gesamte Crew (Die gesamte Crew? Nein, nicht die gesamte Crew, ein unbeugsames Crewmitglied aus der Vorschiffskoje....) von der Dusche zurückkehrte, setzte sich eine Karawane, bewaffnet mit Brot, Brettchen, Messern, Tassen, Belag, Marmelade etc. in Bewegung. In einem Handstreich gelang es uns eine der Sitzgelegenheiten, die für diese Zwecke am Ufer bereitstehen zu erobern. Unter hinzuziehen eines weiteren herrenlosen Sitzmöbels erweiterten wir die Kapazität dieser Ecke auf 6 Frühstückssitzplätze. Der letzte Joghurt war vertilgt, der letzte Brotkrumen vom Brett aufgenommen, als ein Mechaniker mit einer Lichtmaschine (unserer Lichtmaschine) in der Hand an uns vorbeizog und suchend die Liegeplätze an unserem Steg entlang ging. In Höhe der Yesterday hatten wir ihn dann eingeholt. Es stimmte tatsächlich, er war gekommen, um die überholte und reparierte(?) Lichtmaschine wieder einzubauen. Auch eine passende Starterbatterie befand sich im Fundus seines Autos. Der Einbau war in wenigen Minuten erledigt, etwas Kopfzerbrechen bereitete ihm die Verkabelung, aber es war kein unlösbares Problem. Im Rahmen der Instandsetzungsmaßnahmen stellte er auch gleich den Kontakt zur Bordbatterie her, so dass diese in Zukunft auch geladen wird. Micha und mir blieb "nur noch" der Gang zum Büro, um in Erfahrung zu bringen, was wir zu bezahlen hatten. Bei der Summe von 2500,- dkk verschlug es uns zunächst die Sprache, als man uns jedoch den Preis eines Austauschteils zeigte, kippte uns vollständig die Kinnlade herunter. Da solche Summen unseren Vorrat an Dänenkronen bei weitem sprengten traten wir den Weg zur nächsten Bank an. In der Schalterhalle der Bank entschieden wir uns spontan für die Abhebungsvariante Geldautomat, die zwar mit deutlich höheren Kosten verbunden war, aber langfristig einen ruhigen Lebenswandel versprach. Derart ausgerüstet kehrten wir zur Werkstatt zurück, um unsere Schulden zu begleichen. Um die entsprechende Summe Dänenkronen leichter, dafür um eine funktionirende Lichtmaschine reicher kehrten wir zum Schiff zurück. Die verbliebene Crew hatte schon die ersten Vorbereitungen zum Auslaufen getroffen, so dass wir kurze Zeit später die Leinen loswarfen und dem freien Wasser entgegen strebten.
Wie so üblich war uns der Wind nicht so wohl gesonnen und pendelte sich auf NNE, was so ungefähr der Richtung entsprach, in die wir wollten. Gerade unsere drei Wechselkandidaten genossen den letzten Segeltag, denn für sie hieß es schon an das Packen denken. Mit ein paar Kreuzschlägen und einer leichten Winddrehung hangelten wir uns gen Norden zu der Nordspitze von Fyn. Je näher wir der Stelle kamen, an der uns eine Kursänderung um 90 Grad bevorstand, umso deutlicher zeichnete sich ab, dass sich die Gelegenheit bietet, den Spinnaker auszupacken und zu ziehen. Im Vorfeld zu der vorbereitenden Maßnahmen konnte man unter Deck der folgenden Unterhaltung lauschen:
Erst als (fast) alle Umstehenden anfingen zu grinsen, ging Niko ein Licht auf, dass sie mit dieser Frage eindeutig das Ranking für das Zitat des Tages gewonnen hatte. Sonjas Kommentar zu dieser Aktion: "Das ist ja ziemlich pubertär!" Diese Unterhaltung bewahrte den Rest der Besatzung jedoch nicht vor dem Unvermeidlichen, dem Spinnakersetzen. Welche eine Wohltat, als die Blase ohne Probleme sofort zum Stehen kam und wir endlich mal nicht Hoch-am Wind laufen mußten. Nach dem Passieren der Rinne konnten wir sogar noch weiter abfallen und somit einen reinen Spikurs fahren. Irgendwann kamen wir um eine Shifte nicht umhin, aber mit der versammelten Spierfahrung an Bord, war auch dies kein Problem. Um unseren Kurs nach Korshavn einzuhalten blieb uns leider nichts anderes übrig, als weiter anzuluven. Wer glaubt, dass wir nun den Spi geborgen haben, der irrt. Wie von unserem Hausrevier hinlänglich bekannt und oft genug geübt, kann man den Spi bis zu einem gewissen Grad auch Am Wind fahren. 2 Konkurrenten um einen Liegeplatz am Steg konnten uns erst überholen, als wir den Spinnaker bargen und einen Aufschießer fuhren, um das Großsegel einzutüten. Wider erwarten bestand an der Brücke des Odense Sjelclub noch freie Platzauswahl und wir legten uns in die Nähe des Zugangs. Nachdem alle, die noch nicht in diesem Hafen waren, die gut gepflegten Sanitäreneinrichtungen aufgesucht hatten, startete des Segelausgleichsprogramm. Wir rundeten einen Teil der Landzunge, die wir kurz zuvor elegant umschifft hatten, zu Fuß. Der Termin für die Rückkehr hätte gar nicht besser sein können, unser bisheriger Nachbar verabschiedete sich mit dem Kommentar, es wäre ihm hier jetzt zu wuselig, er verholt sich an eine der Mooringtonnen. Wir stellten unseren Landanschluß wieder her, den ein freundlicher Nachbar getrennt hatte und begannen mit der Vorbereitung des Abendbrotes. Das allabendliche Animationsprogramm fand heute auf dem Steg statt. Ein holländischer Junge kam mit dem Haken seiner Angel dem Hafenmeister etwas zu nahe, woraufhin dieser sich in den Shorts des Hafenmeisters verfing. Dieser trug die Geschichte mit Humor und nutzte den Zwangsaufenhalt, bis der Vater des Jungen den Haken herausoperiert hatte für einen kleinen Plausch. In den späten Abendstunden setzte in allen Kojen betriebsames Räumen ein, die Seesäcke wurden gepackt und eine Woche Segelurlaub ging ihrem Ende zu. mh
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