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Tag 11 - 19.08.2002Korsör - SpodsbjergDie Entscheidung
Dieses Jahr ist alles anders - naja, nicht wirklich alles, aber der Wind, des Seglers Freund und Feind. Normalerweise, d.h. bei den anderen Törns der letzten Jahre, kam der Wind von der Seite, von Hinten, von schräg hinten, von ganz schräg hinten... Dieses Jahr aber kommt der Wind von vorn. Egal wo wir im einzelnen fahren. Abends schläft er ein, wahrscheinlich um sich alle Möglichkeiten für den nächsten Tag offen zu halten, und bläst dann am nächsten Tag just aus der Richtung, in die wir zu fahren gedenken. Heute nun waren wir schlauer. In Korsör sind wir in der gewohnten Art und Weise gestartet - kreuzend. Dann aber, nach einem Kurzen Telefonat von Martin mit dem Hafenmeister in Nyköbing, wurde alles anders. Dieser riet uns nämlich davon ab, mit zwei Meter und fünf Zentimeter Tiefgang den Guldborgsund passieren zu wollen. Es sei denn, wir wüssten, wo die Steine liegen. Zugegebenermassen wissen wir das nicht. Zum Guldborgsund ist zu sagen, dass er eine "garantierte" Wassertiefe von zwei Meter zehn hat. Allerdungs nur, wenn kein Wind weht - was an der Ostsee nicht so wirklich häufig vorkommt. Bei Süd-Lage ist es bis zu einem halben Meter weniger tief. Da sich nun niemand an Bord fand, der entweder vorausschwimmen und die Steine suchen oder eine Rinne graben wollte, war die Entscheidung gefallen. Hier liess sich das notwendige mit dem nützlichen verbinden. Da der direkte Weg für unsere Rückreise Richtung Gedser versperrt war, mussten wir den Kurs nach Westen richten. Mit diesem taktischen Manöver hatte der Wind nicht gerechnet. Endlich konnten wir den Spinnaker setzen und, ausnahmsweise einmal nicht kreuzend, mit einer kautionsbedrohenden Geschwindigkeit von acht Knoten über Grund nach Westen brausen. Unser neues Ziel war der einzige Hafen an der Ostküste von Langeland - Spodsbjerg. Die Materialfestigkeit des Spinnakers war dieser atemberaubenden (Wind-)Geschwindigkeit aufgrund seines fortgeschrittenen Alters nur unzureichend angepasst. In der Gesamtkonzeption sicherlich perfekt auf das Baujahr des Schiffes (1987) abgestimmt, zeigte sich nach kurzer Zeit ein etwas lichtdurchlässiger Streifen in der zweiten horizontalen Stoffbahn. Um die Reisekasse neben dem etwas teureren Parkaufenthalt in Odense (wir berichteten) nicht noch weiter in Mitleidenschaft zu ziehen, beschloss der Skipper von Warp 8 wider auf Impulsantrieb umzuschalten.
Mit der Genua (sicherlich hervorragend an eine Dehler 34 angepasst, da viel zu klein für unsere Megayacht) und dem Großsegel, schlichen wir mit bescheidenen 4,163246 Knoten über Grund nach Spodsbjerg. Spodsbjerg ist ein wahres Anglerparadies. Dies erkannten wir an einigen winzigen Details, die nur dem aufmerksamen Beobachter nicht zu entgehen vermochten. Neben der obligatorischen Eissortimentsübersichtskarte an der Tür zum Hafenmeister (anscheinend ist trotz der enormen Hafengebühr von 145 DKr noch ein Nebenverdienst notwendig) war eine Fischfanggebietsjahreszeitenübersichtskarte. Wo man zu welcher Jahreszeit östlich der Küste Langelands und dem Tiefwasserweg angeln könne. Drei Türen weiter war an einer Tür "Fischfiletierraum" zu lesen - eine für einen Hafen durchaus ungewöhnliche Einrichtung. Für den umtriebigen Angler waren dort gleich noch einige weitere, wichtige Hinweise zu lesen. Fischabfälle seien am nächsten Tag bei der Ausfahrt mindestens zweihundert Meter vor der Hafeneinfahrt zu verklappen. Wenn es der letzte Reisetag wäre, nähme sich auch der Hafenmeister gerne des Mülls an - Stichwort Nebentätigkeit. Um dieser Aussage noch mehr Nachdruck zu verleihen, prangtre in großen Lettern auf dem Müllcontainer "Keine Fischabfälle" (in deutsch, man kennt ja schliesslich seine Zielgruppe). Diese Aufschrift wurde von uns allerdings mutwillig übersehen und unsere Abfälle landeten dort drin. Es gab heute Abend Scholle frisch vom Fischer. Da man aber keine fertigen Fischstäbchen vom Kutter geliefter bekomt (15 DKr pro Scholle), sondern die Veredelung selbst vornehmen muss, blieb uns nichts anderes übrig, als Magen, Darm, Leber und was sich sonst noch alles in so einem Fisch befindet, in eben diesen Container zu befördern. Während des tatkräftigen Filetierens der Schollen am Steg gab es einen weiteren subtilen Hinweis auf das Anglerparadies. "Das ist so aber nicht perfekt. Der Schleim muss abgekratzt werden." "Die Haut kann man nicht mitessen, die müsst ihr abziehen." Aha, wir essen die aber schon seit Jahren mit und schlecht ist es uns bisher nicht bekommen. "Ich mache das schon seit 30 Jahren, ich bin Koch." Naja, das macht die Sache nicht besser. Nach diesem Bildungsprogramm konnten wir dann in gewohnter Weise der eigentlichen Tätigkeit einer Segelreise nachkommen, dem Essen. Der Abendspaziergang erschloss uns noch einige gemütliche Ecken des Dorfes, unter anderem Ferienhäuser auf einer Anhöhe mit Blick auf das Meer. Wieder auf dem Boot angekommen stieg der Stromverbrauch von Steg C sprunghaft an, als 3 * 0,8 GHz anliefen, zwei Datenverbindungen zu TDK Mobil geschaltet sowie ein Wireless LAN in Betrieb genommen wurde. All das, um den Reisebericht mit Bildern zu versorgen. Ein Tag geht zu ende... md
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