Ostsee 2002

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Olli

Tag 12 - 20.08.2002

Spodsbjerg - Rödby

Der Zimmerspringbrunnen

Was soll man sagen. Nur Wind von vorn wäre auf Dauer ja langweilig. Deshalb gab es heute eine neue Version: Wasser von vorn. Nein, es regnete nicht, es strömte. Allerdings unterhalb der Wasserlinie mit zwei Knoten und in welche Richtung? Natürlich nicht in die, in die wir fuhren. Das Stromdreieck ergab einen Einfluss von 35° (zuzüglich Wind und Abdrift) auf unseren Kurs. Von unserem Obersteuermann Uhuramüller (siehe Schweden 99) wurde ein Kompasskurs von 160° gemeldet. Der Kurs über Grund betrug aber nur 130°! Das allein ist ja noch nicht so wirklich dramatisch, wenn man sich damit nicht auch noch langsamer dem Ziel näherte. Das GPS zeigte ein VMG (Velocity Made Good) zum Ziel von etwas über zwei Knoten, während wir uns mit fast der doppelten Fahrt durchs Wasser bewegten. Dazu kamen dann die üblichen Winddrehungen durch Landzungen etc. Um all diese Berechnungen anstellen zu können, muss man natürlich wissen, wie schnell man durchs Wasser fährt. In der Ostsee gibt es aber mobile Seegrasfelder, der Feind jeder Logge. Teile davon verfangen sich mit Vorliebe in dem kleinen Rädchen des Logs. In seiner Drehbewegung gehemmt zeigt der Geschwindigkeitsmesser dann die berauschende Geschwindigkeit von Null Knoten an. Das Handbuch für Segler und die, die es werden wollen, stellt dazu drei Lösungsmöglichkeiten bereit:

1. Die bequeme Durch flotte Rückwärtsfahrt dreht sich das Rädchen in die andere Richtung und gibt all das Sammelgut frei. Wie erwartet hat das nicht funktiniert, obwohl wir in Rückwärtsfahrt Geschwindigkeiten erreicheten, die wir in Vorwärtsfahrt nie gesehen hatten (Rückwärtsfahrt wurde angezeigt ?!?!?).
2. Die für Zwei Zwei Mann/Frau auf dem Vordeck führen eine Leine unter dem Bootsrumpf vom Bug bis zum Kiel und hoffen, die Verschmutzung zu beseitigen. Das hat bisher zwei mal funktioniert, diesmal ging aber auch das nicht.
3. Die Nasse Da dieses Problem recht häufig auftritt, haben sich die Konstrukteure - wohl das Jammern der unter dem Boot tauchenden Skipper im Ohr - für eine konstruktive Lösung entschieden. Der Loggeber steckt in einem Rohr, dass von innnen durch den Bootsrumpf nach aussen reicht, so dass sich der Geber aussen am Rumpf vor dem Kiel befindet. Das einzige Problem dabei ist, dass sich der Geber prinzipbedingt unterhalb der Wasserlinie befindet. Wenn man ihn daher aus dem Roh zieht, läuft das Boot voll. Aber der schlaue Ingenieur hat dafür eine Blindstopfen beigelegt. Die Firma Dehler (der Bootshersteller) hat in weiser Voraussicht den Log- und Tiefengeber in eine abgeteilte Sektion der Bilge plaziert, die sich in der Vorschiffskoje befand. Der Trick besteht dann darin, die Zeitspanne zwischen entferntem Geber und eingestecktem Stopfen zu minimieren. Das ist nichts für Mathematiker, hier werden Praktiker gebraucht. Bei uns war die Zeitspanne nicht Null und es gab fliessend Wasser in der Koje. Es wurde aber vollständig von der Abteilung aufgenommen, so dass Olli nicht die Rettungsinsel zu Wasser lassen musste.
Tradiotionssegler

Auf halbem Weg nach Rödby beim Verlassen des Langeland Belt wurden wir kurzfristig in ein militärisches Manöver einbezogen. Ein Tornado einer von uns nicht feststellbaren Luftstreitkraft drehte in ca. 50 Metern Höhe eine Kurve um uns und schaltete dann den Nachbrenner ein. Leider gehören Oropax nicht zur Schiffsausrüstung. Kurz darauf wurden uns die Schnellflugeigenschaften dieses Flugzeugtyps, erkennbar an den Schwenkflügeln, eindrucksvoll demonstriert. Ein Verfolgter rauschte mit Flügeln in Hochgeschwindigkeitsstellung in freundlicherweise mehr als 50 Metern Höhe über uns hinweg, der Verfolger folgte ihm mit wilden Manövern auf dem Fusse. In Rödby legten wir uns in den uns bestens bekannten Industriehafen mit Sportbootabteilung. Schräg hinter uns hatte ein alter Bekannter vom Vormittag festgemacht, die "Haahry Double". Im Langelandsbelt war uns das Schiff wegen seines Schriftzuges "No Smoking" am Brückenhaus aufgefallen. Am Masttopp leuchtete nun ein rote Lampe. "Nicht entgaster Tanker". Okay, bleibt der hier die ganze Nacht? Diese Frage wurde alsbald beantwortet, plötzlich war er weg. Wir rätselten noch eine Weile, wie ein fast hundert Meter langes Schiff lautlos in zehn Metern Abstand an uns vorbeifahren kann, ohne dass wir es merkten. In der Hafeneinfahrt war nur noch die Hecklaterne und besagtes rotes Licht zusehen. Ansonsten war es ein ruhiger Abend, der mit dem üblichen, stark erhöhten Stromverbrauch endete.

md

Strecke 20.08.2002

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Martin Heine/Segelcrew Ostsee
Last modified: Thu Aug 29 00:28:31 CEST 2002