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Der Tag heute begann irgendwie ungewöhnlich spät. Für die
Nichteingeweihten: Das bedeutet an Bord irgendwann um halb neun.
Wir reicherten das Frühstück mit Rührei an; daß es wohl
das letzte Frühstück in dieser Crewzusammensetzung auf dem Törn
sein würde machte sich niemand so richtig bewußt.
Die gemeinsame Tagesplanung endete mit dem demokratischen
Entschluß, über die Außenschären nach Henan zu segeln, nicht
durch die sehr stark abgedeckten und somit vermutlich
nur mit schwachen Winden passierbaren Innenschären. Wie
sich später herausstellte, war trotz einer steifen Brise
das Segeln dennoch nur auf Teilstrecken möglich.
Zuerst kreuzten wir durch den Almösund zur nächsten Brücke
auf. Aufgrund des engen als sicher geltenden Fahrwassers
hieß das vor allem eines: Viele Wenden. Unter der Brücke
schließlich war nichts mehr zu machen, so daß wir doch auf den
Motor zurückgreifen mußten und bei dem folgenden Kurs
weiter in Richtung Küste auch ersteinmal ein Stück dabei
blieben.
Ein Genuß war das Abstellen des Diesels dennoch jedesmal,
denn die karge, wilde Natur des Nordens läßt sich um einiges
besser wahrnehmen, wenn man nur das Rauschen des Wassers
und des Windes hört. Wegen einer an diesem Wochenende
stattfindenen Wettfahrt ("rund Tjörn"), bei der bis zu
1000 teilnehmende Boote erwartet wurden, kamen uns
viele Segler entgegen. Neben Schweden sind uns heute auch
mehr Norweger als auf jeder Etappe zuvor begegnet. Vom
Regattasegler ("der will einen Blumentopf!") über den
Fahrtensegler ("der macht das sicher einfach aus Spaß
am Segeln!") bis hin zum Wohnkutter ("dem hilft einzig
noch der Yardstick!") war alles vertreten, was sich segelnd
fortbewegen kann.
In den Außenschären, in einer Durchfahrt mit sehr vielen
entgegenkommenden Seglern, irgendwo vor einer Fischfarm
oder etwas, das mal eine solche werden wollte, blies der
starke Wind Michael seine Mütze vom Kopf. Dieselbe Mütze,
die wir in den Gewässern der schwedischen Westküste im
Kanal bei Marstrand
retten
konnten, fand diesmal wegen Unrettbarkeit ihr nasses Grab
an selbst gewählter Stelle.
Nachdem wir den Auslieferungshafen von Halberg-Rassy an
steuerbord liegen gelassen hatten, kamen wir wieder in
geschütztere Fahrwasser. Hinter uns fuhr geduldig durch
die enge Rinne ein Schlepper, der erst in weiteren
Gefilden zu einem zurückhaltenden Überholmanöver ansetzte.
Unser als Dank angebotenes Bier lehnte die Mannschaft
allerdings ab.
Bei der Anfahrt auf Henan begegnete uns noch der ein
oder andere schöne Flecken Erde sowie ein Schwede im
Motorboot, der auf einem Reifen seine fröhlich winkende
Tochter hinterherzog; ansonsten verlief die Fahrt bis
auf einen Wespenstich an Wolfgangs Hals (das doofe Vieh
saß auf der Schwimmweste!) relativ ruhig und ereignislos.
In Henan legten wir am Najadsteg an. Der freundliche
Hafenmeister erlaubte uns, an der zuerst angefahrenen
Stelle auch gleich liegenzubleiben und wir konnten
sogar die fünfte Landleine (für Außenstehende: Strom!)
legen. Duschen und WC standen uns auch zur Verfügung.
Robert zeigte uns - auf diesem Törn leider ein
letztes mal - daß aus jedem Essen ein Ereignis werden
kann und bekochte uns reichhaltig, wohl damit die vier
an Bord verbleibenden Leute die nächsten zwei Wochen
auch ohne ihn durchhalten.
ob
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