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Tag 17 - 24.08.2004Gislövs Läge - GedserNach einer kurzen Nacht ging es heute morgen Schlag auf Schlag. Das Frühstück wurde auf das Wesentliche, die Nahrungsaufnahme, reduziert. In Anbetracht der vor uns liegenden Strecke wollten wir jede Minute nutzen. Bei moderaten 12 Knoten verließen wir Gislövs Läge und waren sogar so optimistisch mit Reff 1 und voller Genua zu starten. Sehr schnell war jedoch klar, dass wir damit völlig übertakelt waren. So behielten wir für die nächsten Stunden das Reff 2 und die Genua zu 30 Prozent ausgerollt als Beseglung bei.
Das Bergfest bei 34 sm wurde mit einer heißen Brühe gefeiert. Als Mön langsam im Dunst über der Kimm verschwand hatten die Wellen und der Wind schon deutlich nachgelassen. Zum einen ließ sich das an der sinkenden Geschwindigkeit, zum Anderen an den deutlich auflebenden Lebensgeistern einzlener Crewmitglieder erkennen. Mit Ausreffen begegneten wir anfangs noch dem Geschwindigkeitsverlust und waren unserem Ziel schon so nahe, dass wir die Winddrehung mitfahren konnten. Kurz vor dem Fahrwasser nach Gedser ging dann gar nichts mehr und wir entschieden uns dafür die Segel zu bergen und die Maschine zu starten. In der Fahrrinne entwickelte dann der Motor wieder sein Eigenleben und variierte die durch den Gashebel vorgegebene Drehzahl von 2000 Umdrehungen auf nahezu 0 und dann wieder auf 1500. Das ganze an sich hätte uns nicht weiter gestört, wäre da nicht die einlaufende Fähre gewesen, die uns im Nacken saß... Mit einer Reduzierung der Drehzahl am Gashebel und einer Reduzierung der anschließenden Marschdrehzahl auf 1600 umgingen wir weitere unliebsame Überraschungen dieser Art.
Kurz nach dem wir alle Leinen belegt hatten fingen die Mücken an über uns herzufallen, eine von Kent ins Spiel gebrachte Flasche mit "Off" dem gerantierten Mückenabschreckungsmittel fand reißenden Absatz. Gerade war die Diskussion über die abendliche Menuefolge beendet worden, als der Wind auffrischte und der Himmel sich verdunkelte. Innerhalb von Minuten sprühte die Gischt über die Hafenmole und die Schiffe krängten in ihren Liegeplätzen unter der Windlast. Wer bis dahin noch keine doppelten Luvleinen ausgebracht hatte, holte dies umgehend nach. Wir waren einhellig der Meinung, dass die Kappung der Frühstückszeit heute morgen durchaus sinnvoll gewesen ist, da wir sonst das Gewitter auf See hätten abwettern müssen. Nach dem Essen lief Thomas noch zur Höchstform auf und betätigte sich dank des Repertoires auf meinem MP3-Player als DJ. Mit einem heiteren Musititelraten entführte er uns auf eine Zeitreise in die 80er Jahre. Als kullinarische Untermalung bereitete Jule der Crew eine Portion Milchreis zu. Mein Kommentar, dass der Milchreis durchaus das vollbringen könnte, was Wind und Wellen bisher noch nich geschafft hatten. Veranlasste Thomas zu dem Ausspruch: "Rückwärtsessen kommt hier wohl langsam in Mode." Im weiteren Verlauf fielen noch viele Bemerkungen, die die Lachmuskulatur aller Anwesenden erheblich strapazierten. Einer von ihnen war der Stoßseufzer des Ostdeutschen Schmalzbrot: "Wenn grobe Grieben Gräben grüben, wäre ich längst im Westen drüben!" Im weiteren Verlauf des Abends machte setzte sich noch die Erkenntnis durch, dass unser Ladegerät anscheinend eine Stromaufnahme hat, mit der die Stegsicherung eindeutig überfordert ist. Eine Problemlösung wird es heute Abend nicht mehr geben und so bin ich gehalten Strom zu sparen. Und so werde ich jetzt meine Nachtruhe genießen, während der Wind mit gut 25 Knoten durch die Riggs der Hafenlieger fährt. mh |