Ostsee 2004

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Tag 20 - 27.08.2004

Warnemünde - Rostock Stadthafen

Wir hatten es ja so gewollt und nicht länger darüber nachgedacht, worauf wir uns denn da einließen, als wir vor ca. 5 Wochen mehr aus einer spontanen Eingebung heraus unsere Unterlagen an den DSV geschickt haben. Das wir uns damit zu der letzten praktischen Prüfung, die das Schein(un)wesen des DSV bereit hält angemeldet hatten wurde uns erst jetzt so richtig bewusst. Wir das sind in diesem Fall: Roma, Jule, Micha, Thomas und ich. Keiner konnte von sich behaupten, dass er nicht von einer gewissen Vorprüfungsnervosität befallen war. Viele Fragen schwirrten in den Köpfen umher: Reicht das Wissen über die aktuelle Wetterlage, um die Prüfer zufriedenzustellen? Hatten wir die Manöver oft genug geübt?

noch ist alles ruhig..

Mit dem Moment, wo Micha bei uns an Bord erschien gab es kein Zurück mehr, war er doch heute Morgen mit einem der Prüfer extra aus Berlin angereist, um an der Prüfung teilzunehmen. Es dauerte auch nicht lange, bis die beiden Herren vom DSV erschienen. Nach einem kurzen Smalltalk zogen sie sich in den Salon zurück, um über die Rollenverteilung zu beratschlagen.

Mit einer gemütlichen Runde um unseren Salontisch begann dann für uns die Zeremonie. Nach dem Kontrollieren der Ausweise richtete sich die erste Frage an Roma: "Frau Beitz bitte zählen Sie mal auf, was der Begriff der Seetüchtigkeit bei einer Yacht beinhaltet, wenn Sie zu einem Törn auslaufen wollen." Alles zählte Roma auf: Navigationszubehör, Seenotmunition, Diesel, berichtigte Karten, die Sicherheitsausrüstung und und und. Aber dem Prüfer reichte es noch nicht. Wir alle rätselten und waren rat- und sprachlos. Worauf wollte er hinaus??? Mit einem Wink von ihm fiel dann das Wort Proviant. Wir müssen ihn wohl sehr merkwürdig angesehen, denn er fragte sofort nach, ob wir uns darüber keine Gedanken machen würden. Als wir ihm sagten, dass auf diesem Schiff selbst nach einem 3-wöchigem Törn noch mehr Vorräte wären, als wir alle zusammen essen könnten und wir eigentlich an nichts anderes denken würden, konnte er sich ein Lachen nicht verkneifen und das Eis war gebrochen.

Während der Rest das Schiff zum Auslaufen klarmachen sollte, wurde ich gleich unter Deck verhört. Die Palette der Fragen reichte von den einzelnen Funktionen und der Einstellung des Radars, über die Programmierung eines Wegepunktes, die einzelnen Elemente der Gasanlage bis hin zu den Wolkenformationen im Verlauf einer Warmfront und dem skizzieren einer Wetterkarte anhand der aktuellen Wetterlage und der Stationsmeldungen. Die Prüfung verlief eigentlich eher wie eine Unterhaltung, die hin und wieder vom Aufheulen des Motors unterbrochen wurde, wenn gerade mal wieder eine Wende auf engstem Raum angesagt war.

Alle Hände voll zu tun.

Als ich "endlich" entlassen war und mich zu der Decksmannschaft gesellen konnte, musste ich feststellen, dass der Prüfer Thomas hatte in einer Lücke anlegen lassen, die nur unwesentlich länger als die Dehler selber war und dass uns Susi und Kent hatten verlassen müssen, weil es sich um eine nicht öffentliche Prüfung handelte. Na Prost Mahlzeit! Damit fehlten uns bei den Segelmanövern 4 zusätzliche Hände! Wer den bisherigen Bericht gelesen hat, kann sich jetzt wohl schon ausmalen, was auf uns zu kam. Doch vor dem Segeln standen die Motormanöver. Nachdem jeder an- und abgelegt, sowie auf engstem Raum gewendet hatte, musste Jule uns im Gewimmel der Ausflugsdampfer aus dem Alten Strom herausbringen. Kurz hinter den Molenköpfen, außerhalb des Fahrwassers eröffnete sie mit einem Boje-über-Bord die nächste Manöverrunde. Bis auf Roma, die zu diesem Zeitpunkt zur Befragung unter Deck war absolvierten wir alle das Boje-über-Bord-Manöver Schlag auf Schlag. Der Kelch des Segelsetzens blieb dann bei Micha hängen und der Prüfer forderte bei 18 Knoten Wind trotz unseres Vetos Vollzeug..... Die ersten Manöver verliefen ohne Probleme und alles sah nach einem "entspannten" Prüfungsverlauf aus. Als Micha gerade auf einem eleganten Raumschotskurs mit ca. 8,5 Knotten durch das Wasser pflügte, fiel dem Prüfer ein die Boje über Bord zu befördern. Micha parierte dies sofort mit einem "Klar zur Q-Wende"! Das war jedoch nicht das Manöver, welches der Prüfer sehen wollte. Dies gab er Micha zu verstehen, in dem er ihn fragte, warum er jetzt eine Q-Wende fahren wolle, wo es dieses Manöver ja nicht gäbe, denn es sei eine ganz normale Wende. Derartig aus dem Tritt gebracht schoss Micha wertvolle Sekunden nach Lee, bevor er sein angkündigtes Manöver einleitete. Diese Unterbrechung hatte zur Folge, dass wir zur Boje aufkreuzen mussten. Mittlerweile war Jule zur Befragung unter Deck geordert worden und Roma nahm ihren Platz ein. Doch an den Schoten wollten wir sie nicht reißen lassen. (zur Erklärung: sie war zu diesem Zeitpunkt im 6. Monat schwanger)

So stellte Micha sie zum beobachtne der Boje ab, während Thomas und ich uns die Jobs an den Schoten teilten. Da es jedoch shier unmöglich war die Großschot am Baum dichtzunehmen und gleichzeitig an der Winsch die Lose zu holen drückte ich dem Prüfer kurzerhand die Schot in die Hand. Ich bat ihn auf mein Kommando die Lose aus der Schot zu holen. Auf seine Bemerkung hin, dazu bräuchte er meine Unterstüzung nicht ließ ich ihn gewähren. Nach seinen Versuchen

  • die Schot ohne Winsch
  • die Schot über die Winsch und
  • die Schot mit der Winsch dichtzukurbeln

sah er ein, weshalb einer am Baum ziehen musste und warum wir gerne Susi und Kent an Bord gehabt hätten.

..als die Welt noch in Ordnung war..

Beim Boje bergen brach dann das Unheil aus vollen Kübeln über uns herein. Thomas, der die Boje schon am Haken hatte, grif gerade nach dieser, als sich mit einem häßlich schabenden Geräusch ausgerechnet der Teil des ausziehbaren Bootshakens verabscheidete, an dem sich der Haken befand. Wie zum Hohn trieb er noch eine Weile senkrecht aus dem Wasser ragend neben der Boje. Doch als wir nach einem neuen Anlauf wieder neben der Boje zum Stehen kamen war dieser Teil des Bootshakens bereits auf Tiefe gegangen. Wie also sollten wir im weiteren Verlauf die boje aus dem Wasser bekommen??? Nach Abwägung aller Möglichkeiten entschieden wir uns dafür die Boje bei allen weiteren Manövern mit der Decksbürste aus dem Wasser zu fischen.

Wir waren zu diesem Zeitpunkt geneigt daran zu glauben, dass nichts mehr schief gehen kann, doch da hatten wir uns getäuscht. Schon bei der nächsten Runde, als ich das Manöver fahren sollte wurde die Boje so außenbords befördert, dass sie gegen den Instrumententräger schlug und sich dabei das Bodengewicht löste. Das hatte zur Folge, dass die Boje kopfüber im Wasser trieb und wir nun keine Chance mehr hatten sie an dem dafür vorgesehenen Bügel aus dem Wasser zu holen. Für denjenigen, der die Boje jetzt bergen sollte bedeutete es ab sofort der Boje einen kurzen Stoß zu versetzen, so dass sie waagerecht im Wasser liegt und dann mit der Decksbürste nach dem Bügel zu fischen....... Am Ende der praktischen Prüfung waren nicht nur Thomas, Micha und ich glücklich darüber, dass wir uns atmungsaktive Segelklamotten gekauft hatten. Auch der Prüfer hatte die Atmungsaktivität seiner Jacke zu schätzen gelernt. Denn jedes Manöver, was er uns fahren ließ "durfte" er aktiv begleiten!

Während der Fahrt zurück an den Liegeplatz und am Liegeplatz selber plauschten wir noch ein wenig mit den beiden Prüfern, die uns bei der Gelegenheit noch mitteilten, dass alle bestanden hatten!!! Was sie zunächst nicht glauben wollten, war die Tatsache, dass wir keine professionelle Schule besucht, sondern uns das Wissen im Laufe von unseren Törns angeeignet hatten. Nach ihrer Meinung hatten sie bisher nur wenige Prüfungen erlebt, bei denen die Leute so sicher im Umgang mit dem Schiff und der navigatorischen Ausrüstung waren.

..habe meinen Wagen voll geladen...

Nach der Verabschiedung der Prüfer stärkten Roma, Jule, Thomas und ich uns mit einer Portion Bratfisch vom nahegelegenen Fischstand. Micha war wieder mit einem der Prüfer nach Berlin zurückgefahren, zum einem wollte er den entgangenen Nachtschlaf nachholen, zum anderen ging er davon aus, dass es zu siebent inkl. Gepäck selbst im Multivan Platzprobleme geben könnte. Mit Fisch gestärkt machten wir uns auf die Suche nach Susi und Kent. Die Beiden waren schnell gefunden und so konnten wir uns auf den Weg in Richtung Rostock Stadthafen machen, wo ich vor kanpp drei Wochen gestartet war. Im Stadthafen mussten wir feststellen, dass an unserem ausgewiesenen Liegeplatz ein anderes Schiff lag. Nach kurzer Überlegung entschlossen wir uns die Maike M. in den nächsten freien Liegeplatz an diesem Steg zu legen. Die Liegeplatzfrage erklärten wir somit zu einem PAL (Problem anderer Leute). Ein letztes Mal bugsierten wir die Dehler in eine Box. Die Leinen waren belegt, die Maschine gestoppt, der Törn unwiderruflich zu ende. Während ein Teil schon mit dem Packe begann wurde das Logbuch um die fehlenden Tageseintragungen ergänzt. Am schwersten fiel wohl der Eintrag Törnende. Roma und Thomas telefonierten sich mit Romas Schwester zusammen, die sie abholte und zu dem vor der Haustür vom Romas Schwester geparkten Bus brachte. Als alle Packgelegenheit wieder auf dem Schiff waren ging das Räumen zügig voran. Die Übergabe gingfür uns ohne nennenswerte Zwischfälle über die Bühne. Der Vercharterer war etwas irritiert, als ih ihm die zweiseitige Liste mit den gröbsten Mängel in die Hand drückte, doch das war nicht mehr unser Problem...

Die bestandene Prüfung feierten wir mit einem Pizza- und Pastagelage bei einem Italiener nahe dem Hafen. Was wohl auch die Ursache dafür war, dass 5 der 6 Personen völlig überrascht waren, als sich die Reisegeschwindigkeit am Ortsschild Berlin merklich verringerte und zum ersten Mal seit der Abfahrt in Rostock das gleichmäßige "Kalpp....Klapp....Klapp" der Scheibenwischer verstummte. Sie hatten die letzten 2 Stunden komplett verschlafen. Wieder geht eine nette Segelreise eigentlich viel zu schnell zu ende, aber die Abhilfe erfolgt noch in diesem Jahr, wenn Olli und ich zu völlig neuen Gefilden aufbrechen. Allen den Leserinnen und Lesern, bei denen ich die Neugier geweckt habe empfehle ich ab dem 23.10.04 wieder regelmäßig auf unsere Homepage vorbeizuschauen.

mh

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Martin Heine/Segelcrew Ostsee
Last modified: Wed Sep 8 19:12:04 CEST 2004