Bornholm und Schweden '98

Reisebericht

1. Tag: Samstag, 23.05.1998

Fotoalbum

Martin, Michi und ich (Oliver) kamen von Rügen aus Breege von unserer Himmelfahrtstour in Richtung Greifswald. Obwohl Martins Auto schon recht voll geladen war mit unserem übrigen Gepäck, hatten wir das Einkaufen der meisten Vorräte in einem großen Einkaufscenter kurz hinter Stralsund übernommen. Nach Einkaufsplan und Augenmaß wurde dort alles gekauft, was uns an Essen und Trinken für sechs Leute und zwei Wochen so einfiel. Auf diese Art wurde Martins Auto auch gleich (sportlich?) tiefergelegt, denn mehr als wir drei plus unsere Einkäufe und das Gepäck hätte beim besten Willen wohl nicht mehr hinein gepaßt.

In Wiek Ladebow angekommen, nahmen wir erst einmal das Boot von außen in Augenschein, denn die Reinigung durch den Vercharterer war noch in vollem Gange und der Rest unserer Crew war noch etwa 100 Kilometer vor Greifswald. So gönnten wir uns etwas Fisch und ein Eis im Hafenrestaurant und genossen die Sonne. Wir erhielten sogar einen Welcome-Drink vom Bootseigner.

Gegen halb vier nachmittags dann erfolgte die Übernahme der "Mystery" durch Martin und Michi, als auch Sascha, Micha und Beatrice eingetroffen waren. Danach wurde dann schließlich unser gesamtes Gepäck an Bord verstaut und die Crew besichtigte die Kabinen. Um ca. 18:00 Uhr war alles so weit fertig, daß wir die Abfahrt auf 18:30 Uhr festlegten, um die Öffnung der Brücke um 19:00 Uhr auszunutzen und in Richtung Sassnitz zu starten.

Hinter der Brücke ging es dann bald raus auf den Greifswalder Bodden, so daß wir um etwa 20 nach sieben die Segel setzen konnten und entlang des Tonnstriches nach Sicht durch den Bodden segelten bei gutem Wind und fast ohne Seegang. Bei halbem Wind bis fast Raumschots nach dem passieren der Tonne Vierow zeigte die Mystery auch bald, daß sie ein schnelles Schiff mit recht guten Segeleigenschaften ist.

Doch noch bevor wir den Bodden verlassen, zieht eine bedrohlich dunkle Wolkenfront im Nordwesten auf, die schnell näher kommt. Die ersten Vorläufer der Böen veranlassen uns gegen 20:30 Uhr, einer seit Greifswald neben uns segelnden Yacht zu folgen und Kurs auf den Zickersee zu setzen, um dort Schutz zu suchen an den Liegeplätzen, an den Dalben oder im Lotsenhafen Thiessow, der eigentlich nicht für Sportboote offen steht. Die Regenfront mit ihren starken Sturmböen erwischt uns noch im Bodden, doch die Mystery beweist auch bei schwerem Wetter und aufkommender Welle gute Segeleigenschaften und so ziehen wir an der parallel fahrenden Bavaria vorbei, die deutlich zuviel Fläche gesetzt hat, als das Unwetter losgeht.

Als wir dem Zickersee näher kommen geht das fröliche Tonnenraten los. Martin sieht die beiden weißen Tonnen zur Ansteuerung, aber erst kurz bevor wir die zweite Tonne erreichen finden wir die grüne Tonne, die den Tonnenstrich zur Einfahrt bezeichnet, den wir aufgrund unseres Tiefgangs treffen müssen. Die folgenden, teilweise unbeleuchteten, Fahrwasserbegrenzungen sind jetzt, kurz vor 22 Uhr, kaum noch zu erkennen. Noch bevor wir die Segel bergen überholt uns trotz der schlechten Verhältnisse die Bavaria unter Motor und blendet uns durch Einsatz ihres Scheinwerfers - was erst nach Zuruf unterlassen wird. Kein sehr faires Verhalten. Nachdem wir die Dalbenliegeplätze im Dunkeln nicht ausmachen können folgen wir unter Motor dem anderen Segler und machen im Hafen Thiessow fest. Martin hat es geschafft, die Mystery mit sicherer Hand im engen Hafenbecken zu wenden und in einen Liegeplatz zwischen einem anderen Sportboot und einem Fischkutter zu bugsieren, der nicht wesentlich die Länge unserer Yacht überschreitet.

Den Abschluß dieses Tages bildet dann noch eine gemeinsame Runde bei Dosenravioli, gestreckt mit etwas übrig gebliebenen Spaghetti. Landstrom oder andere Annehmlichkeiten gibt es nicht, so daß wir mit Blick auf unseren Sprung nach Bornholm am kommenden Tag mit den Reserven etwas haushalten müssen. Aber viel mehr, als jetzt gemütlich in den Kojen zu verschwinden ist für die meisten von uns eh nicht mehr drin.


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