Bornholm und Schweden '98

Reisebericht

4. Tag: Dienstag, 26.05.1998

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Nach einem ausgiebigen Frühstück teilt sich die Crew heute ersteinmal für ein paar Stunden. Micha, Sascha und Beatrice wandern zu Fuß über Hammerhus nach Allinge - Martin, Michi und Oliver wollen nach Allinge segeln.

Schon kurz nach dem Auslaufen - der andere Teil der Crew wandert schon in Richtung Norden an der Küste entlang - wird eines klar: Kein Wind, dafür Regen. Unsere Versuche, uns per Segel fortzubewegen stellen wir also leider bald ein und werfen die Maschine an. Meist steht nur einer an Deck im Regen und steuert, die anderen beiden waschen erstmal unter Deck ab und kümmern sich ein wenig um die Navigation, die aber dank des wieder funktionierenden GPS und der vorbereiteten Wegpunkte sehr einfach ist. Allerdings kommen nach und nach immer mehr Fähnchen von Fischernetzen in Sicht, denen wir ersteinmal vorsichtig ausweichen, da wir nicht riskieren wollen, die Tonnen und die Netze einzusammeln und womöglich noch Leinen in die Schraube zu kriegen. Erst kurz vor Allinge - weiterhin im strömenden Regen, der die Hände um das Steuerrad steif werden läßt - kommt wieder etwas Wind auf und wir können noch einmal die Segel setzen.

In Allinge klarieren wir das Boot auf und bald schon trifft der Rest unserer Crew, der vom Regen auch völlig durchnäßt ist, bei uns ein. Die Tütensuppe, für die wir das Wasser bereits aufgesetzt haben, findet daher reißenden Absatz und stärkt uns für die restlichen 20 Seemeilen zu unserem Nachthafen Christiansö: eine kleine Felsinsel mitten in der Ostsee mit einem Naturhafen.

Der Wind nach dem Auslaufen ist günstig und wir setzen sofort die Segel. Den Kurs nach Christiansö können wir knapp halten und es geht schnell voran. Lediglich kurz vor der Insel müssen wir noch einen kleinen Holeschlag machen, um die Einfahrt in den Naturhafen von Süden her gut anlaufen zu können. Auf dem Weg begegnet uns noch die letzte Fähre von dieser kleinen Idylle im Meer zurück nach Allinge und als dort zig Menschen zu uns herüberwinken, sehen wir uns dann auch mal gezwungen, mit den Armen zu fuchteln.

Vor unserem Wegepunkt zum Einlaufen in den Hafen begegnen uns schon wieder unsere kleinen Fähnchen von den Netzen. Die Insel selbst bietet mit den vorgelagerten Felsen und der fast mittelalterlich anmutenden Bebauung und den alten Kanonen und Mauern der Befestigungsanlagen einen imposanten Anblick. Wir steuern noch vorsichtig am Unterwasserfelsen vorbei und legen dann seitlich zwischen zwei anderen Seglern an. Hinter der der alten Klappbrücke, die den Hafen in Nord- und Südhafen teilt - eine alte mechanische Klappbrücke, die seitlich wegklappt und eher ein kleiner Überweg für Personen ist - fällt uns sofort ein großes Segelschiff auf von sicher 30 Meter Länge.

Von der Schönheit dieses Eilands beeindruckt und dem nordisch wild anmutenden Flair angezogen, unternehmen wir als allererstes nach dem Aufklarieren einen Inselrundgang. Dieses Wort ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn die Insel hat vielleicht 500 bis 700 Meter Durchmesser und ist aufgeteilt in zwei kleine Inseln, durch den Naturhafen getrennt. Verschlungene Pfade, schroffe Felsen und dicke, alte Befestigungsmauern prägen das Bild, aber auch idyllische kleine Gärten und winzige Häser, die fast aus einer Märchenlandschaft stammen könnten und einen die weite See ringsherum, nur wenige hundert Meter entfernt vergessen lassen.

Die "Mystery" sieht zwischen den mittelalterlichen Bauten fast zu modern aus. Aber sie ist unsere Heimstatt und der Hunger und die hereinbrechende Dunkelheit treiben uns zurück. Als wir gerade beim Essen kochen sind gleitet das große Segelschiff, die "Johann Smidt", an uns vorbei und geht auf Kurs in die hereinbrechende Nacht. Neidische Segleraugen von allen Booten folgen ihr noch einige Minuten. Nach dem Essen geht es noch einmal schnell zu den Klos, bei denen zur Spülung und auch zum Hädewaschen Salzwasser genutzt wird. Eine klare Nacht mit Sternenhimmel. Das Meer ist still, es weht fast kein Wind. Eine idyllische Ruhe kehrt ein. Wir sitzen unter Deck noch ein paar Minuten zusammen und müssen die Heizung anwerfen, denn durch den Regen und die nassen Klamotten tropft überall das Wasser von den Wänden.

Dann eine dicke Überraschung: In wenigen Minuten (maximal so etwa 10!) ist ein dichter Nebel aufgezogen, der es fast unmöglich macht, die beleuchtete Hafeneinfahrt zu erkennen. Es ist ein unheimliches Bild, wenn der Strahl des Leuchtturms lautlos über uns hinweg gleitet. Das gelbe Licht strahlt in die dunkle Nebelwand, aber sehr weit kommt es in dieser Nacht nicht.

Ein Tag geht zuende.


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