Bornholm und Schweden '98

Reisebericht

7. Tag: Freitag, 29.05.1998

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Trotz der Wettervorhersage, die uns Starkwind prophezeit, und dem Pfeifen des Sturms in den Wanten, wollen wir heute weiter in Richtung Westen aufbrechen. Wind aus östlichen Richtungen macht uns zuversichtlich, was die Segelei angeht, aber dennoch ziehen sich alle ersteinmal warm und wasserfest an. Die Ausfahrt aus dem Hafen verheißt schon erstmal einen gewissen (Achtung, Mode-Wort dieses unseres Törns!) Fun-Faktor. Wellen und Wind. Nach dem Setzen der Segel geht es ersteinmal in südlicher Richtung, weg von der Küste. Unser Fischstäbchen, die rote schlanke Boje zur Ansteuerung von Kaseberga, vor Augen geht die Mystery gut durch die Welle. Nach der Boje gehen wir eh wieder auf Vorwindkurs, so daß die Fahrt dann ruhiger wird.

Die Sonne kommt raus und auf dem Weg nach Gislövs Läge macht sich Ferienstimmung auf dem Boot breit. Alle liegen in der Sonne und die Segelanzüge landen schnell wieder unter Deck, da es unter diesen unerträglich heiß wird, wenn man sich nicht gerade in die windigste Ecke setzt. Schwedens Küste gleitet an uns vorbei und Martin braucht den zusätzlichen Funfaktor. Zuerst schockt er uns alle durch ein unerwartetes Boje-über-Bord-Manöver. Beatrice ist gerade am Steuer und braucht auch erstmal eine gewisse Zeit, um zu verkraften, daß Martin ausgerechnet ihr das antut. Im dritten Anlauf, nach aber dennoch nur 7 Minuten retten wir unsere Boje, den Rettungsring mit der Pütz dran, dann endlich unbeschadet aus der kalten See. Den letzten Anlauf mußte dann doch Martin selbst übernehmen und es wird auch ein wenig an Bord rumgebrüllt, aber jeder weiß, daß er das nicht persönlich nehmen muß, sondern das einfach im Eifer des (unerwarteten) Gefechts passieren kann.

Nach dieser Aufregung geht die Fahrt wieder ruhig weiter. Alle erholen sich. Nicht nur von dem gefahrenen Manöver, sondern vielmehr vom Streß des Alltags, denn irgendwie weicht langsam die Anspannung, die Gedanken beginnen zu schweifen und wir alle beginnen, zu genießen. Mitten in die Ruhe kommt Martin mit der Idee, den Spinnaker mal wieder zu setzen. Also alles vorbereiten, den Spi auspacken und anschäkeln und los geht's. Leider ist das Ziehen des Spis nicht so astrein gelaufen, es dauert sehr lange, bis die Blase oben ist und alles ist nicht besonders glatt gegangen. Und besonders lange kann der Spi dann auch nicht oben bleiben, er steht wegen der starken Welle einfach nicht richtig. Naja, schade, aber es kann wohl keiner ändern. Irgendwann kommt dann auch der Waypoint zur Ansteuerung von Gislövs Läge in greifbare Nähe und wir treffen, nur irritiert durch ein paar gelbe Fischerfähnchen die Rinne zur Einfahrt. Schon die ganze Zeit können wir wenige Meilen entfernt die vielen Fähren sehen, die ständig in Trelleborg ankommen oder abfahren.

Nach dem Einparken im Hafen wird erstmal Landstrom angeschlossen und dann schrubben Michi und Martin das Deck, nach und nach kommt auch der Rest der Crew dazu und beteiligt sich mit Aufräumarbeiten unter Deck. Bis irgendwer feststellt, daß der Landstrom ausgefallen ist. Nachdem unser schwedischer Nachbar meinte, es läge sicher an der Frau an Bord, die Fön, Sauna oder Whirlpool nutze und der deutsche von gegenüber griesegrämig mit einem Meßgerät ankam, mußten wir eingestehen, daß der Ausfall durch unsere Bordelektrik verursacht wurde. Diese hatte durch einen Kurzen nicht unsere Sicherung am Steg, sondern gleich den FI-Schutzschalter für den gesamten Steg rausgehauen - und tat dies auch brav immer wieder. In einer ausgedehnten Bastelstunde wurden dann die Ursachen auf Wasser im Stecker und ein paar zusammengeschmolzene Drähte an der ehemaligen Kontrolleuchte eingeengt und beseitigt.

Den Tag beschlossen wir dann noch mit einem Spaziergang durch den Ort und einem etwas undefinierbaren Essen, das eigentlich alles aus unserem Vorratsangebot enthielt, bis auf Nutella, Marmelade und Thunfisch. Trotz der durch die weichgerührten Nudeln etwas eigensinnigen Konsistenz (das wollte bestimmt immer vom Teller springen!), schmeckte es doch ganz brauchbar. Lag nur etwas schwer im Magen. Aber es war eben ein richtiges Resteessen.


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