Bornholm und Schweden '98

Reisebericht

9. Tag: Sonntag, 31.05.1998

Fotoalbum

Am heutigen Tag beschlossen wir, uns in zwei Gruppen zu teilen. Silke, Martin und Olli wollten das Boot zu unserem nächsten Ziel Malmö segeln und einige kleinere Reparaturen vornehmen, während Beatrice, Sascha, Micha und Michi die Zeit für einen Stadtrundgang nutzen wollten und mit der Katamaranfähre nachkommen wollten.

Schon der erste Versuch, von Micha unserem Finanzminister, eine kleine Taschengelderhöhung zu bekommen, wurde im Keim erstickt. Olli nutzte die Gunst der Stunde, um noch die nächsten Aktienkäufe mit seinem Anlageberater abzusprechen.

Zu dieser nachtschlafenen Zeit waren noch nicht alle Hafenbewohner wach. Der Rundgang durch die Stadt beinhaltete die üblichen Sehenswürdigkeiten. In Kopenhagen gibt es die sehr gute Einrichtung von Leihfahrrädern, die man wie die Einkaufskörbe im Supermarkt, mit 20 Kronen von ihrem Ständer auslösen kann. Das erste Fahrrad, das wir fanden, hatte zwar zwei Felgen, aber nur einen Reifen. Der zu erwartende Fahrkomfort ließ uns dann doch vom Gebrauch Abstand nehmen. In der Nähe der Frederikskirken entdeckten wir ein weiteres Fahrrad. Sascha erklärte sich zu einer Testfahrt bereit. Es zeigte sich schnell, daß der Kraftschluß zwischen Pedalen und Kettenrad nur mäßig ausgeprägt war. In diesem Zustand war es allenfalls für Fahrten bergab geeignet, da aber das Bremssystem, so man davon sprechen kann, nur aus der Rücktrittbremse bestand, entschlossen wir uns, das Fahrrad mangels Vollkaskoversicherung wieder in eine Immobilie zu verwandeln.

Die Besichtigung der Kirche ergab keine überaschend neuen Erkenntnisse über die Baukunst, so daß hier von einer weiteren Schilderung Abstand genommen werden kann.

Im Innenhof der Amalienburg konnten wir beinahe einen Wachwechsel beobachten. Die Jungens mußten sich halt mal die Beine etwas vertreten und liefen dafür etwas umher. Das nächste Ziel war der Anleger der Katamaranfähren nach Malmö. Nyhafen ist ein Szenetreff. Hierher kommt man um zu sehen und gesehen zu werden.

Dementsprechend sitzen die Leute wie die Hühner auf der Stange auf der Molenkante. Unsere Vermutung war, daß die Schnapsleichen dann gleich ins Wasser kippen und weggespült werden. Der weitere Weg führte uns zur alten Börse, der königlichen Bibliothek und der Christiansborg. Hier ist gerade eine Parade zu Ende gegangen. Als letztes Ziel hatten wir den botanischen Garten auserkoren. Hier bot sich bei Sonnenschein eine gute Möglichkeit für eine kurze Erholung von den Strapazen des kilometerlangen Marsches. Wieder zurück am Fähranleger verabschiedeten wir Beatrice, die uns Richtung Berlin verließ, da ihr die Uni wichtiger war, als eine weitere Woche auf der Ostsee ;-)

Katamaranfähren sind schon eine tolle Erfindung. Schon nach dem Ablegen, sozusagen im Leerlauf, war die Fähre doppelt so schnell, wie wir es je mit unserer Mystery sein werden. Vorn bei der Meerjungfrau dann wurden unter heftiger Rauchentwicklung zwei weitere Schiffsdiesel hinzugeschaltet und das Boot beschleunigte auf seine Reisegeschwindigkeit von ca. 45 Knoten (80 km/h). Durch ihre Auslegung als Gleiter erzeugt dieser Schifftyp sehr wenig Wellenschlag, weswegen diese Geschwindigkeit schon im Hafen gefahren wird. In der Prüfung für den Segelführerscheins lernt man, Seezeichen, sprich Bojen, im Abstand von einer halben Seemeile zu passieren. Die Bojen waren zum Greifen hahe und vom Skipper, dessen Segelboot dieser Ostseerambo passierte, konnte man noch das Weiß in den Augen sehen.

In Malmö angekommen stellten wir fest, daß der Yachthafen ca 6 Kilometer von unserem jetzigen Standort enfernt war. Unser Weg dorthin führte uns durch die Altstadt, wo wir einen Frisouml;r mit recht eigenartigen Folterinstrumenten fanden.

Am Rande der Altstadt befindet sich angeblich ein Schloß, von dem wir außer dem Wassergraben und einer großen Wiese nichts sehen konnten. Auf dieser Wiese fand die Attraktion des Tages statt. Sie ist in etwa vergleichbar mit dem Britzer Volksfest. Auf drei Bühnen versuchen die jeweiligen Bands, das gleiche Publikum möglichst lautstark zu beschallen. Das Ergebniß war von eher zweifelhafter Qualität. Die weiteren 5 Kilometer gestalteten sich recht unspektakulär. Sascha hatte auf diesem Weg einen Verbrauch von zwei Twister Eis pro 5 Kilometer. Alle 300 Meter war an der Strandpromenade eine Verkaufsfalle mit dem vollen Langnese Sortiment aufgestellt. Im Sommer kann man hier wohl schnell reich werden.

Wie wir schon unterwegs per Handy erfahren hatten, waren unsere Segler auf dem Weg nach Malmö auf der Insel Flakfort versackt.

Dieser kurze Zwischenstop fürte dazu, daß zum Einlaufen der Mystery im Yachthafen Laguna schon ein Begrüßungskommitee bereitstand.

Zusatz durch die Flakfortfahrer

Als die Touritruppe endlich das Boot in Richtung Stadtbummel verlassen hatte, entschieden wir uns, unsererseits auch ersteinmal loszugehen und Postkarten zu kaufen. Postkarten gab es zwar viele, aber auf die Frage nach Briefmarken gab es immer nur die Auskunft, daß es in diesem Laden leider keine gäbe. Und so haben wir dann den größten Teil unserer Zeit damit verbracht, Postkarten und Briefmarken aufzutreiben, was uns auch gelang, nachdem wir die wertvolle Information erhalten hatten, daß die Wechselstuben selbige führten. Eine stumme, jedenfalls sagte sie kein Wort, Dänin (aber eine schöne dafür!) verkaufte also Martin die begehrten Papierfetzen.

Auf dem Rückweg zur Mystery dann fanden wir an einer Gangway eines französischen U-Boot-Abwehrbootes einen Zettel mit dem Hinweis auf Besichtigungsmöglickeiten, was wir auch sogleich nutzten. Danach ging es dann weiter zur Mystery und wir legten dann auch recht bald, kurz vor 16 Uhr, ab. Leider war vor Kopenhagen kaum Wind, so daß wir den Versuch Segel zu setzen nach der Feststellung, daß nach einer 360-Grad-Drehung das Boot immer im Wind gestanden hatte, schnell auf und entschieden uns zu einem kleinen Besuch auf der Insel Flakfort.

Das alte Fort, erbaut kurz vor dem Ersten Weltkrieg, ist sehr gut erhalten. Leider waren wir nicht mit einer Taschenlampe zur Erkundung der alten Gänge bewaffnet, aber aufgrund der exquisiten Möglichkeiten, auf Erlebnistour zu gehen, die Grills zu benutzen und morgens sogar frische Brötchen zu bekommen, konnten wir uns nur schwer wieder losreißen. Aber falls wir wieder mal in die Nähe von Kopenhagen kommen, dann wir Flakfort als fester Hafen eingeplant!

Nachdem wir um das durch zwei Schildchen geschützte Schwanennest wieder herumgeklettert waren, stellten wir fest, daß wir einen Längslieger dazubekommen hatten. Die freundlichen Schweden waren aber schnell zur Stelle, so daß wir unsere Fahrt fortsetzen konnten. Mittlerweile war sogar Wind aufgekommen und wir konnten bis Lagunen Hafen segeln. Aus Martins Bad in der Ostsee wurde aber wegen des Windes dann leider nichts mehr, obwohl Silke und Oliver es wohl gerne gesehen hätten. Dafür stellten wir das Fehlen der schwedischen Gastlandsflagge fest. Nach einigem Suchen riefen wir dann Sascha an, der nach seinerseitigem Suchen das fragliche Fähnchen in seiner Hosentasche fand und nur meinte: "Kommt halt er und holt's Euch!". Gesagt, getan...


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