Da Pfingstmontag ist und keine Geschäfte offen haben, können
wir nicht einkaufen, sondern segeln nach dem Frühstück
sofort in Richtung Rödvig los. Eigentlich sollte die Fahrt ja
vielleicht sogar bis Klintholm Havn gehen, aber wegen des wenigen
Windes und der extrem weiten Strecke bis Mön, wo Klintholm
Havn liegt, ist schnell die Entscheidung für Rödvig
gefallen. Mit etwas aufkreuzen gelangen wir schon nach wenigen
Stunden an die große Brückenbaustelle zwischen Schweden und
Dänemark. Wir kreuzen in einem Tonnenstrich von nicht mehr als
50 Meter Breite zwischen den riesigen Betonpfählen hindurch
und beobachten die Arbeiten.
Der Wind frischt etwas auf und die Richtung ist so,
daß wir zumindest mit nur einigen Holeschlägen auskommen
können und vor allem der dänischen Küste näher
kommen. Bestürzt stellen wir gähnende Leere in unserem
Kühlschrank fest und fangen sicherheitshalber an, die noch
reichlich vorhanden Vorräte an Schokolade und Gummibärchen
anzugehen. Nachdem nach der vielen Übung Seekrankheit für
die meisten an Bord kein Problem darstellt, waren wohl einige nach
der Nasch-Orgie aus anderen Gründen kurz vor dem Lee-Gang.
Die letzten Salami- und Käse-Stückchen retteten uns
dann aber dennoch vor Überzuckerung und dem Hungertod. Statt
Essen, wurden nun erstmal massivst Getränke kalt gestellt.
Unser zum Früstück gegründetes Männerkommitee
(Sascha nämlich) sorgte auch für einigen Spaß und
hatte wohl vor allem durch die geringe Zahl an anwesenden Frauen
ein gewisses Glück. Die Winde drehten immermehr in eine
günstige Richtung. Die Brückenbaustelle verschwand
immer weiter im Dunst und wir überquerten abermals die
die schwedisch-dänische Grenze.
Aufgrund der Erfahrungen mit fehlenden Gastlandsflaggen hatte heute
dann Micha die ehrenvolle Aufgabe, das Fähnchen zu wechseln.
Zwar bekamen wir schlußendlich unsere Flagge sofort nach dem
Wechsel zum Einsortieren gereicht, dennoch mußten wir eine
ganze Weile drauf warten (so zehn Minuten wird es wohl gedauert
haben). Aber Zeit hatten wir ja alle mehr als genug an diesem Tag,
der Törn war schließlich lang genug.
Vor Rödvig war die Fahrt auch eher unspektakulär, es
war vielmehr die Entspannung zu spüren, endlich einem Hafen
näher zu kommen und damit auch den Einkaufsmöglichkeiten,
um unsere zur Neige gegangenen Vorräte am nächsten Tag
auffrischen zu können. Allerdings sichteten wir einige
Meilen vor dem Hafen einen anderen Segler, der offensichtlich auch
Rödvig ansteuerte und in uns erwachte der Regattageist und
wir setzten alles daran, vor dem anderen im Hafen zu sein. Das
gelang uns auch und wir hatten das Glück, so den letzten
brauchbaren Liegeplatz zu ergattern. Unser Konkurrent musste sich
mit einem Platz an der Tankstelle abgeben. So wurden nach der Ankunft
nicht nur die Hafenanlagen, sondern auch der Weg zum Supermarkt
inspiziert, was mit einem kleinen Stadtrundgang verbunden war, zu
dem aber nur Martin, Micha und Oliver aufbrachen.
Der Abend wurde durch ein Essen aus Dosen ("Feuertopf") abgerundet,
dessen Konsistenz und Geschmack von eher fraglicher Natur waren,
so daß ein Nachtisch aus (Dosen-)Früchten fällig
wurde. Über das (angebliche...) Essen wurde viel geschmunzelt,
ebenso über ein Getränk namens "Apfelsinen Gelb", was
eine Neongelbe Farbe aufwies und eher nicht nach Orangen schmeckte,
was der Name eigentlich hätte suggerieren sollen. So wurde
zwar nicht die Qualität des Abendbrotes, wohl aber der
Fun-Faktor an Bord gesteigert.