Alle unsere Bedenken betreffs der Wetterlage wurden zerstreut. Die
Sonne scheint, der Wind weht - und zwar sogar so, daß wir fast
ohne Kreuzen bis zu unserem nächsten Ziel, Darßer Ort,
gelangen können. So laufen wir so gegen elf Uhr, eine Stunde
früher als üblich, von Rödvig aus. Schon kurz hinter
dem Hafen setzen wir die Segel und nehmen Kurs auf den Darß.
Die Welle ist relativ stark, aber die Crew ist ja mittlerweile
gut abgehärtet.
So wie gestern sehr viele Schiffe in Richtung Klintholm Havn gelaufen sind, scheinen sie heute von diesem Hafen wegzustieben. Anläßlich der guten 7,5 bis 8 Knoten, die die Mystery läft, bemerkt Sascha: "Ist ja eine Scheiße, wenn man so schnell ist, da ist man ja so einsam!" Nun, da kann man geteilter Meinung drüber sein, aber wir sehen bald wirklich keine anderen Segler mehr. Aber auf unserem Weg kreuzen wir die große Fahrrinne und sehen, zum Glück nur aus gebührendem Abstand, die Schiffe ihres Weges ziehen. Frachter und Tanker, etwas weiter außerhalb der Rinne auch Militärschiffe und Fischerboote.
Als wir der deutschen Grenze näher kommen, haben unsere
diversen Handies auch endlich wieder roamingfreien und damit im
Vergleich zu vorher billigen Empfang. Und so geht es erstmal
dran, die Eltern anzurufen und mit Tilman die SMS-Wetterfax-Anforderung
zu testen. Als Michi von seinen Eltern erfährt, daß in
Berlin Regen fällt, erfreut er die umsitzenden mit seiner
gewohnt trockenen Art: "Wie? Bei Euch regnets? Na was für
ein Glück, daß wir hier sind." Durch die Sonne ist die
Stimmung an Bord locker, aber der lange Schlag von Rödvig
rüber nervt doch ein wenig durch die Eintönigkeit.
Erst kurz vor dem Nothafen
Darßer Ort kommt wieder Leben ins Schiff, denn das Navigieren wird
interessanter und wir machen einige kurze Kreuzschläge, um in die
Ansteuerlinie aufzukreuzen. Nach dem Bergen der Segel laufen wir in
langsamer Fahrt in die Rinne ein, denn die ist sehr schmal ausgebaggert.
Unsere Vorsicht wird belohnt. Originalton Martin: "2 Meter. Einsneunzig.
Einsachtzig. Einssiebzig. Wir sitzen." - Keinen halben Meter neben dem
Boot haben wir eine Wassertiefe von ca. Knietief. Ein kurzer Stoß
unter Motor rückwärts behebt das Problem souverän und wir
steuern etwas weiter mittig in den Hafen mitten im großen
Naturschutzgebiet.
Nach einem kleinen Rundgang durch das sehr mückige
Gebiet auf den Wanderwegen, besichtigen Michi, Martin und Oliver
noch den vor Ort liegenden Rettungskreuzer "Vormann Jantzen".
Der 2. Vormann führt uns über das Schiff und erklärt
uns geduldig auf unsere Fragen alle möglichen Einrichtungen
des Rettungskreuzers. Der freundliche 2. Vormann ist schon eine
ganze Zeit bei der DGzRS, er war damals auch beim Einsatz nach
dem Untergang der "Jan Hiweliuczs" vor Rügen dabei. Er
erzählt uns auch vom schweren ICE-Unglück von Eschede
und lädt uns zur Tagesschau ein, falls wir an Informationen
über dieses Ereignis interessiert sind. Wir nehmen dieses
Angebot auch dankbar an und sehen die Bilder von diesem Unglück.
Irgendwie holt uns diese Nachricht doch etwas in diese Welt
zurück, aus der uns die Schönheit der Umgebung schon
fast entführt hatte.
Wir beenden den Abend mit einem einfachen Essen, Spaghetti mit
Bolognese-Sauce. Danach spielen Martin, Sascha und Silke noch
Karten. Wetter für morgen wird auch abgehört und es
sieht sehr günstig aus für unseren Trip nach Stralsund
morgen. Nachdem die angekündigten Schauer heute ausgeblieben
sind, haben wir die Hoffnung, auch morgen ohne diese auszukommen.