Bornholm und Schweden '98

Reisebericht

13. Tag: Donnerstag, 04.06.1998

Fotoalbum

Der Tag am Darß begrüßt uns mit Sonne. Da wir aus dem Nothafen um elf Uhr ausgelaufen sein müssen, beginnt der Tag auch etwas früher als geplant und wir schaffen es, schon kurz vor halb zehn aus dem Hafen. Der Seenotkreuzer ist nicht im Hafen, aber als wir auslaufen - vorsichtig in der Mitte des Tonnenstriches nach unserer Erfahrung am Vortag - kommt er uns entgegen und der Vormann winkt uns nocheinmal zum Abschied. Obwohl sich am Horizont eine dunkle Gewitterwand breit macht, schlüpfen die meisten von uns erstmal in etwas lockerere Kleidung, denn die Sonne ist warm, der Wind kommt von hinten und ist somit im Cockpit kaum spürbar und Sommerfeeling breitet sich an Bord aus.

Wir setzen den Spinnaker und jagen unserem Zwischenziel, dem Leuchttum Gellen auf Hiddensee, mit ca. sechs bis sieben Knoten entgegen. Die dunkle Wolkenfront begleitet das Boot auf der Steuerbordseite über dem Darß, aber sie raubt uns nicht die Sonne. Und so beschließen wir, vor dem Zwischenziel zu ankern, direkt hinter der Fahrrinne, ab der wir auf Sichtnavigation umsteigen. Unser Bord-GPS hat uns nach der Nacht ohne Landstrom natürlich mal wieder so richtig im Stich gelassen, aber unser Hand-GPS zeigt, daß unser Koppelkurs auf der Karte fast perfekt ist.

Als wir ankern, holen uns die Ausläufer der Schlechtwetterfront ein, und Wind und Welle mindern den Genuß des Liegeplatzes dann doch leider etwas. Dennoch gönnen wir uns ein paar belegte Brote, die Micha und Martin unter Deck bereiten, und Getränke wie O-Saft und Soilent Green, der Spitzname für die seltsame Chemie-Flüssigkeit, die wir beim Bunkern der Vorräte mit eingepackt hatten (der Fruchtsaft-Gehalt von "Apfelsinen Gelb" ist immerhin mit mindestens 0,5 Prozent angegeben!). Und so lichten wir auch bald wieder den Anker und fahren in den Tonnenstrich in Richtung Stralsund, vorbei an Barhöft, wo wir ja schon beim Himmelfahrtstörn gelegen haben.

Nachdem wir einen kurzen Weg in der schmalen Rinne kreuzen mußten und dabei einem ehemaligen Fischkutter, der jetzt Touristen auf Besichtigungstour fägt, und einem Lotsenboot aus Rostock ausweichen mußten, biegen wir auf den Weg in den Strelasund ein und begegnen anderen Seglern, aber auch einem KüMo und einer kleinen Fähre. Aber alle nur von vorne, denn unsere fast acht Knoten Fahrt macht uns wohl keiner so schnell nach.

Sascha vermittelt einem fast das Gefühl, bei ihm im Flieger zu sitzen, allerdings findet Adlerauge eine Tonne mehr als geplant und löst eine hektische Suche nach Festhaltemöglichkeiten aus, als bei Rumpfgeschwindigkeit von achteinhalb Knoten Oliver die rapide sinkenden Zahlen auf dem Echolot vorliest: "Drei. Zweisechzig. Zweizehn. Zwei. Einsneunzig. Einsachtzig... Einsneunzig". Ein Aufatmen allerseits. Mit nur zehn Zentimetern unter dem Kiel hat Sascha es gerade noch geschafft, die Grundberührung abzuwenden. Glück gehabt! Der Rest des Weges geht dann glatt über die Bühne und wir legen um 17 Uhr in Stralsund am Yachthafen Nordmole an, da wir in den alten Hafen wegen der Öffnungszeiten der kleinen Klappbrücke davor nicht mehr einlaufen können bzw. nicht mehrere Stunden warten wollen.

Beim Abendbrot merkt man dann doch, daß der Törn leider dem Ende zuneigt, heute war der letzte "richtige" Seetag, morgen laufen wir nur noch kurz durch den Greifswalder Bodden, die meisten Meilen verbringen wir allerdings in den schmalen Fahrrinnen zwischen Rügen und Stralsund und im Kanal vor Wiek Ladebow... Und dann müssen wir unser Zeug zusammenrämen und zwei traumhafte Wochen sind zuende.


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