19.08.00
Berlin - Amsterdam - Boston - Portland
Zu einer moderaten Zeit machten Jule und ich uns auf den Weg, um Micha aufzusammeln. Pünktlich
um 10:00 Uhr trafen wir bei ihm ein und luden ihn und das Gepäck ein. Merkwürdigerweise
gelangten wir ohne Stau zum Flughafen, wo wir so früh dort ankamen, daß unser Zubringerflug
nach Amsterdam noch nicht zum Einchecken bereit stand. Nachdem Micha und ich unser Gepäck abgegeben
hatten, drehten wir noch eine Runde über den Flughafen, bevor wir uns von Jule verabschiedeten.
Mit einem etwas traurigem Blick wünschte sie uns eine gute Reise, denn sie tauschte in diesem
Jahr nicht das Berliner Pflaster gegen die schwankenden Planken eines Schiffes ein.
Schon kurze Zeit nachdem wir die Sicherheitkontrolle passiert hatten, begann das Boarden und pünktlich hob die Maschine nach Amsterdam ab. Einem ereignislosen Flug folgte eine ebenso unspektakuläre Ankunft in Amsterdam. Die Ansteuerung des nächsten Wegepunktes stellte schon eine gewisse Herausforderung dar. Eine Anzeigentafel mit den Gates der Abflüge war nirgends zu entdecken, wir entschieden uns dafür, dem Boarding Pass aus Berlin Glauben zu schenken. Auf dem Weg zum neuen Gate kam uns mehrmals der Gedanke, es könne sich um eine Schnitzeljagd mit blinden Fährten handeln. Am Ende einer Schlange stellten wir uns brav an, um die nächsten 40 Minuten lang zu rätseln, warum es nicht einmal im sprichwörtlichen Schrittempo voran ging. Als die Reihe an uns war traf uns der Blitz der Erleuchtung. Jeder Passagier wurde zu einem Interview gebeten, wobei die Holländer bewiesen, daß man nicht nur mit dem Englisch der Franzosen Probleme haben kann.
Der Flug verlief ohne Komplikationen. Wir waren schon geneigt an eine Reise ohne Probleme zu glauben, hatten wir die Einreseformlitäten doch ohne mahnende Worte des Officers überstanden. Am Gepäckband wurden unsere Hoffnungen jäh zu Nichte gemacht. Via Lautsprecher teilte eine Frauenstimme den wartenden Passagieren mit, daß 50 Prozent der Gepäckstücke in Amsterdam stehengeblieben sind.
Da wir zu den Betroffenen gehörten wurde uns gesagt, wir sollten weiterfligen und den Verlust am Zielflughafen melden. Jetzt zeigte es sich, daß es gut war das Gepäck bis nach Portland durchzuchecken. An unserem neuen Gate erwartete uns die nächste Panne. Mit ca. 2,5 Stunden Verspätung konnten wir unsere Reise fortsetzen.
An eine Weiterreise war um diese Uhrzeit nicht mehr zu denken, so stoppten wir kurz an der Information auf, um uns nach einem brauchbaren Motel in der Nähe der Busstation zu erkundigen. Mit einem eher mitleidigen Lächeln wurde uns mitgeteilt, daß zur Zeit in Portland kein Zimmer verfügbar ist. Wir entschieden uns dafür erst die Problemlösung der Gepäckfrage einzuleiten, bevor wir uns um eine Unterkunft bemühen. Um dem geneigten Leser hier ein genaueres Verständnis des Problems zu ermöglichen, hier eine kurze Aufstellung der an der Gepäckfrage beteiligten:
Wir befanden uns nun am Ende der Kette in einem kleinen, durch weißes Neonlicht notdürftig erleuchteten Zimmer, in dem sich neben einem gut gefüllten Gepäcklager ein aus den 70er Jahren ins Jetzt geretteter brauner Schreibtisch mit einer duch die Vielzahl der Vorgänge reichlich genervten AA Mitarbeiterin befand. Sie versuchte dann mit Hilfe eines mindestens ebenso alten DOS-Programms durch Eingabe wilder Zahlen- und Buchstabenfolgen den Vorgang zu erfassen. Leider war es ihr im Zuge dieser Aktivitäten nicht möglich, in die Gepäcksysteme der kooperierenden Airlines zu sehen, um den momentanen Aufenthalsort unseres Gepäckes zu erfahren. Am Ende der 30 minütigen Vorstellung amerikanischen Services, in dessen Verlauf wir bald mehr über die Bedienung des Systems wussten als die Mitarbeiterin, stand das Versprechen der Anlieferung des Gepäcks am morgigen Tag in der Marina.
Ohne lange Debatte fiel die Entscheidung, ein Taxi zu organisieren und die erste Nacht bereits an Bord der Hansa zu verbringen. Eine Stunde später erreichten wir die Marina. Wie wir feststellen konnten ist die Hansa dort bekannt wie ein bunter Hund und so dauerte es nicht lange, bis wir an Bord standen und Uwe, dem Skipper, sowie Astrid, seiner Schiffsassistentin die Lage geschildert hatten. In dem Moment, wo wir die Lichter löschen wollten gesellte sich noch Winfried der Skipper der vorherigen Crew zu uns. Er hatte das Datum auf seinem Ticket falsch gelesen und war einen Tag zu früh in Boston am Flughafen.