30.08.00
Tenant Harbor - Christmas Cove

Zitat des Tages:

In der Ruhe liegt die Kraft! (Uwe nach unserem Anlegemanöver in Christmas Cove)

Redewendung des Tages:

Der Amerikaner beschreibt den Vorgang, der auf einen Anflug von
Seekrankheit folgt, folgendermaßen:

Talking to Ralph on the big white phone

Bedingt durch die Kauforgie des gestrigen Abends sind wir nicht mehr zu einem Ortstermin gekommen. Uwe hatte diesen bereits am Morgen bei seinem obligatorischen Telefonat absolviert. So blieb ihm die dankbare Aufgabe das Frühstücksgeschirr zu spülen.

Erster Anlaufpunkt war Cods End, die Lobsterbude des gestrigen Abends, jedoch nicht, um ein Lobsterfrühstück einzunehmen. Schon bei unserer Landung gab es für Astrid und Raimund Gründe Sternchenaugen zu bekommen. Raimund konnte die Werbetafel unserer "Marina" "Fuel, Ice, Moorings Seafood VHF 16/9" bei Tageslicht bewundern. Astrid erlebte endlich ein Picnicboat der Hinkleywerft in freier Wildbahn zum Anfassen nah.

Über den örtlichen Supermarkt inkl. Tankstelle oder war es eine Tankstelle mit Lebensmittelabteilung? Führte uns unser Weg vorbei an der Post, dem Denkkmal für die Gefallenen der Kriege zum Werbeplakat, für ein Benefiz Lobsteressen, welches gleichzeitig den Ortausgang markierte. Die andere Ortshälfte verbarg ebenso wenig touristische Schätze wie die bereits beschriebene.

Unser erklärtes Ziel war es heute die Insel Moheagan Island zu runden bzw. vielleicht für einen kurzen Zwischenstop eine Mooring dort zu ergattern. Um unserem Ziel näher zu kommen, mußten wir wieder kreuzen, wobei es zeitweise so aussah, als wenn uns der Wind wieder im Stich lassen wollte.
In einer der Phasen, wo wir mit gemächlichen 4 Knoten dahinschlichen, wurde den letzten Campbells Dosensuppen der Gar aus gemacht. Mit Crutons und Parmesan verfeinert gelang es uns das geschmackliche Spannungsfeld aufzubauen, welches man normalerwiese bei Dosensuppen vermißt.

Einem Funkspruch konnten wir entnehmen, daß es um einen temporären Mooringplatz nicht so gut bestellt war. Moheagan besteht aus einer großen Haupt- und einer kleinen Nachbarinsel, welche nach Norden hin durch einen Steinwall vebunden sind. Dadurch entsteht ein nach Süden offener Naturhafen. Den Ostseeseglern unter uns drängte sich der Vergleich mit Christiansö nahezu auf. Schon von Weitem war zu erkennen, daß man dort keinen ruhigen Liegeplatz finden konnte. Wir beschränkten uns darauf die Parade der auslaufenden Whale-watch Boote abzunehmen, bevor Klaus unser Navigator-of-the-day unseren Kurs auf Christmas Cove unseren heutigen Zielhafen absetzte.

Auf unseren Anruf hin teilte man uns mit, welche Mooring für uns reserviert wäre und wir sollen uns doch mal melden, wenn wir kurz vor der Hafeneinfahrt stünden. Mark nutzte unsere verminderte Fahrt zu diesem Zeitpunkt, um die Angelleine ins Kielwasser zu hängen. Bis zum Segelbergen bissen zwei Makrelen an, die jedoch immer mit dem Schrecken davon kamen, weil sie vom Haken entwischten, bevor wir sie an bord hatten. Diese Erfolgsquote hatte den Jagdinstinkt geweckt und es wurden erste Überlegungen angestellt diesen Fischgrund gleich mit dem Dingi heimzusuchen.
Zu diesem Zeitpunkt wußten wir noch nicht, mit welcher Lobsterbojendichte wir in der Hafeneinfahrt zu rechnen hatten. Die Dichte ansich konnte man als moderat bezeichnen. Das navigatorische Schmankerl lauerte hier in Form von Lobsterbojen, welche ca. 20 cm unter Wasser "trieben" und vom vordren Ausguck erst erkannt werden konnten, als der Bug sich bereits über ihnen befand. Ohne Verluste erreichten wir unsere Mooring. Ohne große Zeitverluste wurde das Dingi für den Landfall ausgerü,stet.

Vom Clubhaus des Yachtclubs aus wagten wir einen kurzen Ausfall nach Steuerbord, der bald in einem Waldstück endete. Die Backbordseite versprach eine höhere Ausbeute an Seheswertem, zumal sich dort in einer Entfernung von ca. 1,5 Meilen auch der Supermarkt befinden sollte. Mark und ich stiefelten in die angegebene Richtung, an der nächsten Kreuzung bogen wir zielsicher nach rechts ab. Der Fahrer eines von uns angehaltenen Fahrzeugs teilte uns mit, daß wir falsch abgebogen wären. Er nahm uns noch ein Stück mit, den Rest legten wir wohl oder übel zu Fuß zurück. Der Inselshop hatte bereits geschlossen, so daß wir nach ca. 0,5 Meilen einen Lebensmittelladen stürnten, der eher ein Imbiss mit Lebensmittelverkauf war. Bepackt mit Getränken "organisierten" wir uns für den Rückweg eine Mitfahrgelegenheit und standen kurze Zeit später am Tresen des Yachtclubs.

Diesen hatten Astrid, Uwe, Raimund und Klaus bereits als optimale Lokalität für einen verspäteten Sundowner nach dem Abendessen auserkoren. Außerdem bewahrheitete sich der Spruch " Icke ist überall". Gleich neben dem Tresen prangte unübersehbar die Flagge mit dem Berliner Bären.

Uwe, Astrid, Mark und Raimund starteten gut gesättigt und mit dem Wimpel des DHH bewaffnet, während der Rest an Bord blieb. Kurze Zeit später kehrten unsere Ausflügler unverrichteter Dinge zum Schiff zurück und erzählten etwas von verminderter Sicht. Von dem Moment an handelte es sich nur noch um Minuten, bevor die benachbarten Schiffe nach und nach im Nebel versanken.


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