01.09.00
Boothbay Harbor - Robinhood Marine Center

Zitate des Tages:

Uwe..Kundschaft!! (Mark zu Uwe, der sich des Filetiermessers bemächtigt hatte.)

Alle Reihenhäser sind besetzt! (Die Angel hatte drei Haken)

Gib mir mal die Winschkurbel, ich muß die Makrele dichtholen.

In den Morgenstunden hatte sich der Nebel soweit gelichtet, daß ein Shuttelverkehr zur Dusche des Yachtklubs möglich war. Dieser Zustand war nicht von Dauer, noch vor dem Frühstück braute sich vor der Susfahrt der Bucht eine dicke Suppe zusammen, weshalb an einen zügigen Aufbruch nicht zu denken war. Das Schiff wurde zwar seeklar gemacht, aber parallel tauchten immer mehr Druckerzeugnisse an Deck auf.

Gegen 10:30 Uhr hatten wir wieder soweit freie Sicht, daß wir uns durch den Hindernisparcour aus Lobstertonnen wagten. Unser Vorhaben, den Damariscotta noch ein Stück hinaufzufahren, lißen wir sehr schnell wieder fallen, von See her zog die nächste Nebelwand auf. Rechtzeitig mit dem Eintreffen des Nebel in der Bucht lagen wir fest an "unserer" Mooringtonne. Gegen 11:30 Uhr hatte jemand ein Einsehen mit uns, der Nebel hatte sich wieder einmal so weit gelichtet, daß wir die Mooringleine loswerfen und aus X-mas Cove auslaufen konnten.

Der Wind war uns nicht so wohl gesonnen, uns blieb keine andere Wahl, als unter Maschine unseren Weg nach Boothbay Harbor anzutreten. Motiviert durch die gestrigen Fangerfolge packte Mark das Angelzeug aus und schleppte den dreifach Haken in unserem Kielwasser hinterher. Anfänglich verirrte sich kein Fisch an den Haken. Erst als Rai die Reisegeschwindigkeit auf 2,3 kn senkte, brauchte Mark keine 5 Minuten auf den ersten Biß zu warten. Hatten wir bei der ersten gefangenen Makrele noch Bedenken, ob der Fang für eine komplette Mahlzeit ausreichen ürde, verflogen diese, als Mark die nächsten 3 Fische herausholte. Schon bald stellte sich eine gewisse Routine ein, Mark warf die Angel aus, um sie sofort mit reicher Beute wieder einzuholen. Uwe filetierte und säberte die Fische, welche Astrid in den Kühlschrank verfrachtete. Bei der Annäherung der Ansteuerung von Boothbay Harbor sank die Fangquote erheblich. Der Jagdinstinkt war geweckt und so gingen wir auf Gegenkurs, um zu den Fanggründen zurückzukehren. Wir schöpften die Fangquote bis zum letzten aus. Bei 15 Makrelen hörten wir auf zu zählen.

Was uns letztendlich dazu bewogen hat, die Angel einzuholen und den Hafen anzulaufen läßt sich im Nachhinein nicht mehr sagen. Die Entscheidung fiel auf jeden Fall zum richtigen Zeitpunkt. Die Leinenverbindung war noch keine 5 Minuten hergestellt, da zog von See her schon die nächste Nebelbank auf und wie am Abend zuvor versanken alle Schiffe die außerhalb des Steges an den Mooringtonnen lagen im Nebel.

Vor dem Landfall wurde noch das Deck der Hansa aufgeklart und ein Termin für das abendliche Fischessen vereinbart. Uwe kam auf die gute Idee, den Marina eigenen Gasgrill für den Abend zu reservieren und schon stürzten sich die einzelnen Crewmitglieder in das touristische Gewühl. Bei all den unterschiedlichen Interessen gab es doch einen Wegepunkt, den alle ansteuerten. Astrid hatte uns in schillernden Farben den Weihnachtsbaum im örtlichen X-mas-Shop geschildert, der nicht mit Kugeln, sondern mit kleinen Lobsterbojen, -booten und Leuchttürmen dekoriert war.

Nach und nach zog der Appetit auf frisch gegrillten Fisch alle wieder aufs Schiff. Mit Getränken, Tellern, Besteck und vielem mehr bewaffnet belegten wir den Grillplatz der Marina. Während des Essens konnten wir einen herrlichen Blick über die Bucht genießen.

Bei dem anschließenden Sundowner, der aufgrund einer örtlichen Trockenperiode an die Bar der Marina verlegt wurde, konnte man das Prinzip der 10 kleinen Negerlein auf die Crew anwenden. Klaus verabschiedete sich recht bald, um seine Koje aufzusuchen. Ich folgte ihm in Anbetracht der noch zu schreibenden Tagesberichte nicht sehr viel später.

Mittlerweile sind alle fehlenden Tagesberichte getippt und ich kann mich auf die Liveberichterstattung verlegen, denn soeben ist der Rest der Crew unüberhörbar an Bord eingetroffen. Während im Cockpit noch eine Diskussion im Gange ist, ob und wie man noch einen Abstecher in die Stadt macht, ist eine weitere Koje belegt worden. Da waren es nur noch fünf.

Zur Zeit scheint sich eine Mehrheit für die Vaiante zu Fuß den Weg anzutreten zu bilden, wohingegen die Variante das Dingi aufzubauen und hinüberzufahren nur vereinzelte Anhäger findet. Der Genuß von 3 Gläsern Shipyard-Bier scheint die Entschlußfreudigkeit nicht unbedingt gesteigert zu haben.
Wie die Diskusion ausgeht? Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, nach dem einige Geschehnisse an Bord nicht nach außen getragen werden und so senkt sich einmal mehr an diesem Tag der Nebel über die Szene...


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