21.08.00
Robinhood Marine Center
Hatten wir am Abend vorher noch Bedenken was die Uhrzeit des Aufstehens angeht, so war es am Morgen Uwe, der an unserem Willen Urlaub an Bord der Hansa zu machen zweifelte. Um 7:00 Uhr schlief an Bord niemand mehr. Schon während des Frühstücks wurden die Aufgaben verteilt. Da sich die Werkstatt des Segelmachers in der Nähe von Portland befindet, übernahmen Mark und ich den Job, die Segel dorthin zu bringen. Wenn die Wartezeit es erlauben sollte wollten wir noch zum Flughafen weiterfahren und Michas und mein Gepäck einsammeln.
Nur mit Mühe gelang es uns die beiden Segel in das von der Marina gestellte Auto einzuladen, aber erstaunlicher Weise blieb sogar noch etwas Platz für den Beifahrer. Die Werkstatt des Segelmachers fanden wir ohne grössere Probleme. Nie werden wir den mitleidigen Blick vergessen, mit dem uns der Segelmacher ansah, als er nach und nach die Fragmente der Latten oder dessen was mal Latten waren aus den Taschen puhlte. Fast schon amüsiert könnte man den Blick nennen, den er uns auf unsere Farge hin, ob wir warten könnten schenkte.Letzendlich sicherte er uns zu, daß er die beiden Segel in ca. 3 Stunden fertig haben wird.
Ein Anruf beim Flughafen Portland stellte klar, daß das Gepäck dort zur Abholung bereit
stand. Unser Bestreben nach möglichst kurzen Aufenthaltszeiten, war jedoch völlig unnötig
wie uns Uwe in einem Telefonat mitteilte.
Übernacht hatten sich 2 Dieselschläche aufgelöst und so die Tankkapazität
um das Fassungsvermögen der Bilge erweitert. Wider Erwarten konnte man die Übernahme
der Taschen schon fast als unproblematisch bezeichnen, wenn man von der Beschädigung von
einer von Michas Taschen absieht.
Das vom Segelmacher gesetzte Zeitfenster ließ Raimund und mir noch genug Zeit für einen kleinen Stadtbummel durch Portland. Pünktlich standen wir 3 Stunden später in der Werkstatt und die Segel waren wirklich fertig. Zur Sicherheit hatten wir darum gebeten die Latten noch nicht in die Taschen zu stecken, so ließ sich das Segel auf eine, sagen wir mal handliche Größe falten und im Auto verstauen.
Zur gleichen Zeit fanden in der Marina
umfangreiche Arbeiten an der SY Hansa statt. Die ca. 30 Liter roten DIeselkraftstoffs, die sich
in der Bilge sichtlich wohl fühlten, mussten mühsam dazu überredet werden, diesen
Platz gegen die Altölsammelstlle der Marina zu tauschen. Astrid war in ihrem Element und konnte
nach herzenslust schrauben, pumpen und fummeln. Von der Marina wurden uns Ölsaugfliese
und eine Pumpe geliefert, womit es uns gelang, das Zeug aus dem Schiff zu bekommen. Nach dem
Tausch der Schläuche und Spülen der Bilge mit einer emulgierenden Chemikalie war der Steg
mit mehr als zehn grossen schwarzen Eimern gepflastert. Es erinnerte eher an die Sammelstelle
der örtlichen Giftmülldeponie als an eine Marina. Aber bei der Werkstatt konnte an
einer Sammelstelle alles abgegeben und ordnungsgemäß entsorgt werden.
Nach diesem kurzen Ausflug in die Schiffstechnik, spendierte uns Uwe ein Mittagessen, das wenigstens teilweise für den entgangenen Segeltag entschädigte. Bei Espresso und Gebäck folgte eine Einwiesung in das Schiff und die Sicherheitsausrüstung. Hatten einige von uns doch schon fast vergessen, wie man Rettungsweste und Lifebelt getrennt handhabt. Diese anstrengende Prozedur hatte uns soviele Kalorien gekostet, daß die ersten Fragen nach dem Abendessen laut wurden. Spaghetti Bolognese waren konsens fähig, aber an den von Micha und mir vorbereiteten Mengen scheiterte die Crew allerdings. So hoch war der Kalorienverbrauch während der Einweisung dann wohl doch nicht. Die Aussicht auf den bevorstehenden Segeltag ließ die Crew mehr oder minder schnell in den Kojen verschwinden.