24.08.2000
Bucks Harbour - Somes Harbour

War es die Nervosität, die angesichts der bevorstehenden Passage in der Luft lag oder haben wir uns inzwischen an das Aufstehen kurz vor 7:00 Uhr gewöhnt? Um Kurz nach 7:00 Uhr herrschte reges Treiben an Bord. Klaus bereitete sich auf sein morgendliches Bad vor, Astrid, Uwe, Micha und ich enterten das Dingi. Die Schiffsführung kam an diesem Morgen in den Genuß einer open-air Dusche mit Panoramablick über die Bucht, die "normalen" Crewmitglieder wurden in Standardduschen "verbannt". Nach dem Frühstück, welches nicht durch die bevorstehenden Ereignisse belastet war, begannen die Vorbereitungen zum Auslaufen.

An der Bunkerstation tankten wir ca. 300 Liter Wasser, was den örtlichen Kiosk in Schwierigkeiten brachte, denn in der Zeit, in der wir Wasser bunkerten war an eine Benutzung der Toiletten aus Wassermangel nicht zu denken. Wieviele Leute wir dadurch in bedrückende(?!) Situationen gebracht haben möchte ich nicht wissen. Der örtliche Kiosk, der gleichzeit der Sitz des Hafenmeisters ist, braucht einen Vergleich mit einem Obi-Baumarkt und Wallmart nicht zu scheuen. Von der Bezahlung der Liegegebühr über den Kauf von Brot bis hin zu Schiffsausrüstungen war alles zu haben - "One Stop Shopping" sozusagen. Es zeigt sich hier wieder, daß die "Old Economy" mit ihren Konzepten der "New Economy" durchaus gewachsen ist und deren Konzept bereits frühzeitig adaptiert hat.

Die 2 cm, die wir durch das zusätzliche Wasser tiefer im Wasser lagen entsprach nicht unbedingt unseren Vorstellungen von einer Sicherheitsreserve, weshalb wir das Achterstag dichtsetzten, was uns weitere 5 cm bescherte. Mit dieser Reserve ausgestattet und begleitet von den guten Wünschen des Dorfgewichtigsten (unser Vorhaben hatte sich unter den 30 Bewohnern inkl. Rentnern und Ungeborenen wohl heumgesprochen) machten wir uns auf den Weg. Die Differenz zwischen oberen Mastende und unterer Brückenkante an der höchsten Stelle sollte zwischen 12.00 Uhr und 13.00 Uhr ca 1,5 m betragen.

Kurz vor der Brücke wurde Astrid in den Mast aufgewinscht, um das Vorhaben für die Versicherung aus dieser Perspektive angemessen zu dokumentieren. In Schleichfahrt und mit ca. 1,5 m Luft passierten wir das "Hindernis".

Raimund bereitete sich als Navigator des Tages gerade auf die nächste Herausforderung vor, als schwarze Rauchwolken und beißender Gestank die Naviecke erfülten. Erste Spekulationen, France Telecom würde uns unsere Mails via Inmarsat als Rauchzeichen übertragen, wurden sofort wieder verworfen. Wir hatten es hier eindeutig mit einem Molafaktor (vgl. Schweden 99) von bisher unbekannten Ausmaß zu tun. Das Abschalten aller Sicherungen und ein kurzer Schnitt mit dem Seitenschneider stoppten die Ruchentwicklung schlagartig.

Im Laufe der weiteren Fehleranalyse wurde als Quelle des Übels die Einheit für die Spannungsversorgung und Antennenspeisung des Satellitentelefons identifiziert. Eine Demontage war nur mittels Schraubendreher und Seitenschneider möglich. Die Rauchzeichen hatte ein Kondensator im Bereich der Stromeinspeisung erzeugt, der durch eine Vorsicherung geschützt sein sollte. Leider war diese Sicherung mittels eines Stück Draht überbrückt, was die Funktion auf Null reduzierte. Die Reparatur wurde nach einer ersten Analyse auf den Abend verschoben, da nur durch großzügiges Entfernen der Reste die Funktion wieder hergestellt werden konnte. In einem fleigenden Aufbau konnte kurz vor Mitternacht wider Verbindung zur Bodenfunkstelle in Erding hergestellt werden.

Trotz der Ablenkung gab Raimund souverän seine Steueranweisungen zum Passieren der nächsten Rinne. Wer glaubt, unser Navigator konnte jetzt entspannen, einen kühlen Drink auf dem Achterdeck genießen, der täscht sich. Die folgende Herausforderung bestand aus einer Barre, an der bei Niedrigwasser eine Wassertiefe von 10 ft vorzufinden ist. Die Kunst bestand nun darin, zu ermitteln, welchen Wasserstand wir zum Zeitpunkt unseres Eintreffens vorfinden. Je näher wir der Barre kamen, um so häfiger wanderten die Blicke zum Echolot. Wie von Uwe und Raimund prognostiziert fiel das Echolot nie unter 18 ft. Bei der Einfahrt nach Somes Harbour ließ es sich nicht vermeiden, wir holten unser Ölzeug aus dem Schrank.

Die erste Mooringtonne, an der wir festmachten sah uns doch zu sehr nach Privateigentum aus, also verholten wir uns auf unsere endgültige Position. Bevor wir unseren Festmacher anstecken konnten, mußte Klaus aus dem Dinghi heraus noch einige Muscheln vom Festmacherring entfernen. Die Idee diese für unser Abendessen zu verwerten verwarfen wir wieder und blieben bei der einfachen Variante (2 Vorspeisen + Salat + Hauptspeise).


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